Geschirr Urania

KPM

Porzellanmanufraktur, Berlin

 

Der Rückblick auf zweieinhalb Jahrhunderte KPM ist auch ein Kurs in Kunstgeschichte: verspieltes Rokoko gefolgt von wohl proportioniertem Klassizismus und schwelgerisch-elegantem Jugendstil, schließlich die programmatische Schlichtheit jener Moderne, die im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts ihr Zentrum hatte. Solche Stilgezeiten verkörpern auch die Gestalter, die KPM geprägt haben. Die Liste reicht vom Staatsbaumeister Karl Friedrich Schinkel über die Geschirr-Reformerin Trude Petri bis zum italienischen Designmeister Enzo Mari, der Mitte der 90er Jahre als künstlerischer Leiter an der Spree hospitierte und das Service Berlin als Visitenkarte hinterließ. Seit Preußenkönig Friedrich II. Mitte des 18. Jahrhunderts die damals hochmodernen Werkstätten von einem Berliner Kaufmann erwarb, ist die Marke mit dem blauen Zepter ihren kunsthandwerklichen Traditionen treu geblieben (wie nur noch sechs andere Unternehmen weltweit). Bis heute ist deshalb jedes Stück ein Unikat. Porzellanmanufakturen benötigen künstlerisches Personal für Formgebung und Bemalung. Diese Künstler waren, wenn man es so nennen will, frühe Designer und damit Wegbereiter heutiger Formvorstellungen. So schuf der Bildhauer Friedrich Elias Meyer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neben Figurinen auch etliche Service. Ob bauchige Kaffeekanne, Zuckerdose oder Terrine, es waren typisierte Formvorlagen, die bis in unsere Zeit Geltung besitzen. Meyers Geschirr Neuglatt von 1769 macht dabei - wie schon der Name nahelegt - einen erstaunlich klaren und deshalb modernen Eindruck. Nach der Begeisterung für die Antike und dem nur kommerziell fruchtbaren Historismus, erlebte KPM um 1900 mit dem avantgardistischen Jugendstil einen erneuten kreativen Aufschwung. Zeugnis dafür ist unter anderem das Service Ceres von Theo Schmuz-Baudiss. In den späten, vom Bauhaus inspirierten 20er Jahren gelangen der Keramikerin Trude Petri dann Ikonen der „Neuen Sachlichkeit“, die mit wilhelminischer Spießigkeit auch auf dem Esstisch endgültig aufräumten. Insbesondere ihr Service Urbino von 1931 verbindet Leichtigkeit und Strenge und wirkt radikaler als etwa das Arzberg-Service 1382 aus demselben Jahr. Auch Mari hat an diese Attitüde gegen Ende des Jahrhunderts wieder angeknüpft.