Regalsystem Plattenbau

Kaether & Weise

Möbelbau, Lamspringe / Niedersachsen

 

Dass das Regal Plattenbau (2004) vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen jüngst unter die „Besten der Besten“ gewählt wurde, zählt sicher ebenso zu den Erfolgsfaktoren wie die Tatsache, dass das attraktive und endlos ausbaufähige Möbelstück sich offenbar zu einer Lieblingsrequisite deutscher Filmregisseure entwickelt hat. In den Streifen „Elementarteilchen“ und „Die Wolke“ übernahm es schon im Jahr eins seiner Existenz gleich zweimal eine tragende Rolle. Das Regal mit dem herrlich ironischen Namen (von Florian Petri), ein standfestes Stecksystem aus nur vier Millimeter dünnen Vollkernplatten, ist ein unumstößlicher Beleg dafür, dass nach Würfen wie Axel Kufus’ FNP (1989), Werner Aisslingers Endless Shelf (1994) und Performas 03 (2003) die Geschichte des intelligenten Systemregals aus Deutschland noch lange nicht zu Ende ist. Als die beiden Schreinermeister Andreas Kaether und Stephan Weise – spezialisiert auf Ladenbau und ohnehin auf der Suche nach einem weiteren wirtschaftlichen Standbein – Ende der 90er Jahre den Designer Thorsten Franck in Materialfragen berieten, entstand daraus das Projekt Möbeldesign. Gleich das erste Programm, die von Franck erdachte Möbelserie Build-in-a-minute, fand einige Beachtung und sogar den Weg ins Designmuseum. In Entwürfen wie dem aus Holzstäben und beschichteten Sperrholzplatten zusammengesetzten Regal Build-and-file oder dem aus einer Platte gefertigten, dreibeinigen Tischbock Side-Step (mit bis zu sieben Zentner belastbar), sind zwei Gegensätze vereint: Stabilität und Leichtigkeit, denn sie lassen sich leicht transportieren. Solche Möbel, die in unsere unsteten Zeiten passen, stehen für eine neue, unprätentiöse Moderne. Dass die darin zu Tage tretende pragmatisch-asketische Haltung auch bei anderen Firmen zu finden ist, wie etwa Nils Holger Moormann oder Jonas & Jonas, die ebenfalls zur Sperrholzrenaissance beitragen, weisen die beiden Südniedersachsen keineswegs von sich. Das Sortiment wird Schritt für Schritt erweitert. Darunter ist nun erstmals auch ein Kleiderschrank und eine Idee für das Kinderzimmer: Rutschi, die tragbare Rutsche, die an einen Kinderstuhl angedockt werden kann.