Ingo Maurer
Leuchtenhersteller, München / Bayern
Er gehört zu wenigen Großen seines Metiers, bei denen eine
eigenständige und dadurch unverkennbare Gestaltungsweise
das gesamte Werk durchzieht. Die Leuchten des Licht-Lyrikers
Ingo Maurer sind dreidimensionale Metaphern. Sie heißen
Mozzkito oder Wo-Tum-Bu und sollen schon durch ihre sprachspielerischen Namen den profanen Alltag aufbrechen.
Wo bist Du, Edison, ...? etwa besteht aus einem in einem Schirm
gefangenen Hologramm. Das Prinzip ist die vermeintliche Glühbirne
in der Glühbirne. Diese Produktikone des 20. Jahrhunderts
wurde zum Dauerthema von Maurer. Die Karriere des
genialen Formerfinders, der wie nur wenige mit Dauererfolg
auf der internationalen Bühne aufwarten kann, begann in den
60er Jahren. Die »gute Form« war noch das Maß aller Gestaltungsdinge.
Bulb – Birne in der Birne – fand viel Beachtung:
ein Popobjekt à la Claes Oldenburg mit verchromtem Fuß und
Kristallglasschirm. Maurer, der nach dem Grafikstudium in die
USA ging, wurde stark von den neuen Kunstströmungen
beeinflusst. Wieder zu Hause gründete er die Firma Design M,
eine der ersten in Deutschland, die den heute so geläufigen
Anglizismus im Namen führte. Seitdem entwirft Maurer Meta-
Lampen, die nicht nur das Licht, sondern auch ihre Bedeutung
reflektieren. Das trifft ebenso für ein Erfolgsmodell der 80er
Jahre zu: One From The Heart (k S.27), eine Stehlampe in Herzform,
deren Schein per Spiegel zurückgeworfen wird. Ende der
90er Jahre entstand Zettel‘z, eine Hängelampe, deren Schirm
Notizzettel sind. Auch mit dem Modell Birds Birds Birds, das
nach Berührung leuchtet, war er seiner Zeit voraus. Maurer versteht
sich auf die Poesie der Materialien, seien es Lagen versilberten
Papiers wie bei Oh Mei Ma, Gänsefedern wie bei der
fliegenden Glühbirne Lucellino (k S.1 5 8) oder das von ihm häufig
verwendete Drahtgitter. Während die frühen Leuchten zum
Kunsthandwerk tendierten, rückte später die Technik in den
Vordergrund. Der große Durchbruch war Mitte der 80er Jahre
das so oft kopierte Niedervolt-Halogensystem YaYaHo, ein
neuer Beleuchtungstypus, der zum Klassiker wurde. Seile, die
den Raum durchziehen, tragen Leuchten, die auf Lichtpunkte
reduziert sind. Das nahezu immateriell gewordene Lichtsystem
erscheint ähnlich abstrakt wie der »Lichtbaustein« von Bega
und ebenso konsequent konstruktiv wie die Strahler von Erco.
YaYaHo erinnert an die virtuelle Welt digitaler Netze, die keine
Starrheit und Mechanik mehr kennen. Maurers Produktpoesie
auf höchstem Niveau ist ein Stil, der in keine Schublade passt.


