Habit Wohnformen
Möbelhersteller, Kürten-Engeldorf / Nordrhein-Westfalen
Das gesamte Sortiment durchzieht eine Idee: die Kombination einfacher Form mit maximaler Nutzbarkeit. Die Herkunft dieses Konzepts ist kein Rätsel, denn Firmengründer Ulrich Lodholz ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Bofinger, die der bundesdeutschen Nachkriegsmoderne entscheidenden Schwung gab. So verwundert es nicht, dass neben selbst entwickelten Produkten, wie der ersten begehbaren Wohnlandschaft (von Tata Ronkholz-Tölle), nahezu sämtliche Klassiker des avantgardistischen, in der Krise der 70er Jahre untergegangenen Herstellers, irgendwann Eingang in das Habit-Sortiment gefunden haben. Meistenteils handelt es sich um Entwürfe des genialischen Hans Gugelot, darunter die archetypische Systemschrankwand M 125 (nicht mehr in Produktion), das schlichte Bett GB 1085 und der zerlegbare Sessel GS 1076 mit schwingender Rückenlehne, ein Musterbeispiel für den weitergedachten Konstruktivismus. Der Versuch, auch den „Bofinger-Stuhl“ von Helmut Bätzner wieder neu aufzulegen, verlief zwar ähnlich spannend wie bei dessen Premiere, musste jedoch wegen technischer Probleme letztlich abgebrochen werden. Auch Möbel der amerikanischen Shaker-Sekte - die als Pioniere des modernen Wohnminimalismus gelten, wurden wieder aufgelegt, darunter der bequeme, akribisch rekonstruierte Schaukelstuhl F 151. Eine Reihe aktueller Produkte der Firma aus dem Bergischen Land, die nach dem Verlagsprinzip bei externen Herstellern produzieren lässt, sind aus Metall: wie die aus industriellen Stahlrosten montierten, absolut witterungsbeständigen Gartenmöbel Skwer (von Alfons Bippus und Otto Sudrow), ein Bürocontainer-Programm und ein Aluminiumtisch (von Arnold Bauer), dessen extrem reduzierte Form ihn zum Allrounder macht. Eine echte Innovation ist der wandelbare Mehrzwecktisch plug.table (2005 von Matthias Demacker) dessen variables Gestell in Form eingesteckter Rohrbügel so geformt ist, dass es bei einer Drehung um 90 Grad den Ess- oder Arbeitstisch in einen flachen Couchtisch verwandelt. Die Tischkonstruktion reduziert sich auf drei Teile, die sich ohne jedes Werkzeug montieren lassen. Hier wird der Geist des Minimalismus, für den Bofinger und Gugelot standen, geradewegs ins Jetzt übertragen.


