Egoform
Möbelhersteller, Westerstede / Niedersachsen
Die Geschäftsidee war ein Angebot, dessen Zielgruppe im so
genannten »Lifestyle-Bereich« zu finden ist, also Käufer mit
Anspruch an gute Gestaltung und Qualität, aber begrenztem
Budget. Die Firma mit dem abstrakten, leicht philosophischen
Namen – der auf das Wohnen als Selbstverwirklichung zielt –
sollte sich hier als Alternative zu bekannten Marken anbieten.
Diesem Plan diente auch die Zusammenarbeit mit einigen aus
der Garde des deutschen Möbeldesigns, darunter Jan Armgardt
und Stefan Heiliger. Handwerkliche Fertigung auf der
Basis modernen Designs war die Strategie, die spätestens seit
der Werkstättenbewegung Tradition hat (siehe Deutsche
Werkstätten). Aufgrund der Dominanz natürlicher Materialien
drängt sich auch die Assoziation an eine ebenfalls in Deutschland
verwurzelte, jedoch einige Jahrzehnte jüngere Tradition
auf, die grüne oder ökologische Bewegung. Für den größeren
Brückenschlag in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg spricht
allerdings, dass auch der »soziale«, sprich finanzielle Aspekt bei
der Konzeption Pate stand; ging es damals um das mittlere
und zumeist jüngere Bürgertum. Entwürfe in Massivholz für
den Wohn- und Essbereich, wie etwa der Tisch Chess, der in
29 Standardmaßen (plus gewünschte Individualmaße) zu haben
ist, bestimmten deshalb die Sortimentspolitik. Hinzu kamen
Geflechtmöbel, Systemmöbel, Kommoden und Sofas. Egoform
entwickelt sich zum Komplettanbieter. Die mehrfach verstellbare
Kippcouch Mio (2004 neu aufgelegt) und der fahr- und
schwenkbare Arbeits- und Essplatz Roll-it (beide von Jan Armgardt)
gehören zu den frühen multifunktionalen Modellen.
Trotz des Verkaufs der Markenrechte an die im westniedersächsischen
Ammerland ansässige Firmengruppe Steinhoff im Jahr
2001 blieb das Profil erhalten. Von Anfang an ging es um
Geradlinigkeit, was in Entwürfen wie dem mobilen Couchtisch
Kayra seinen Ausdruck findet. Dabei werden aktuelle Trends
natürlich aufgegriffen. Das zeigt sich etwa an der Sitzbank
(2006 von Andreas Reichert) in der Kollektion Living Soul, die
es als Eckbank sowie mit und ohne Rücken gibt. Die jüngste
Renaissance der altbewährten Bank trägt dem Wunsch vieler
Kunden Rechnung, beim Essen nicht nur im Lokal bequem zu
sitzen.


