Draenert
Möbelhersteller, Immenstaad / Baden-Württemberg
Tische, dazu Stühle und einige Einzelmöbel - das klingt übersichtlich und wenig aufregend. Doch das in Gehweite zum Bodensee gelegene Familienunternehmen entwickelte innerhalb weniger Jahrzehnte ein eigenständiges und unverwechselbares Profil. Die Form, insbesondere der Tische, orientierte sich dabei an der klassischen Moderne, unterstrichen durch die vorherrschenden Materialien Metall und Glas. Ein frühes Beispiel sind die Satztische Nurglas (1972), die nun wieder ins Programm genommen wurden, verbunden mit einer ambitionierten Variante in lackiertem Glas. Auch die Prinzipien Transformation und Erweiterbarkeit entsprechen funktionalistischen Ideen. Vielleicht finden sich darin aber auch die schwäbischen Eigenarten Sorgfalt, Präzision, Erfindergeist und Experimentierfreude. Typische Draenert-Tische sind Euklid (1998) und Titan III (2002), ein Vier-Personen-Glastisch, dessen Erweiterungsplatten ihn mittels sichtbarer Schwenkarme im Nu zu einem Acht-Personen-Tisch machen. Ein weiteres erfolgreiches Modell ist der patentierte 1224 Adler (1995), bei dem sogar die Ausziehflächen aus dem harten Material bestehen. Solche kleinen Wunderwerke lassen das Auge manches Mal an den physikalischen Gesetzmäßigkeiten zweifeln. Hinter der Mechanik steckt häufig der Designer Georg Appeltshauser, der sowohl mit seinem doppelt verstellbaren Stuhl Linus (2004) wie mit seinem schwingenden Drehsessel Coppa die Grenzen des Sitzkomforts verschob. Zahlreiche Entwürfe stammen vom Gründer Peter Draenert, einem Kunst- und Literaturkenner, der über Hölderlin promovierte. Der jüngst verstorbene Senior – das Geschäft führt nun Sohn Patric - schuf jenes doppelte Firmenprofil, in dem sich internationaler Stil und regionales Bewusstsein verbinden. Mit dem ersten Produkt, dem KufentischSchiefer (1968), führte er das in unmittelbarer Umgebung gewonnene Material ins Möbeldesign ein. Er ist ebenfalls Initiator des „Steinhofes“, einer imposanten Sammlung von über 200 ungewöhnlichen Platten aus aller Welt. Eine Innovation in Glas ist der organisch geformte Couchtisch Twist von Wulf Schneider (2005): intelligent addierbar und mit seinen drei mundgeblasen Kegelbeinen eine geradezu poetische Komposition. Das Unternehmen pflegt, ähnlich wie Vitra, ein intellektuelles Verhältnis zu seinem Produkt. So gibt es seit vielen Jahren die Kunst-Kollektion, eine Serie frei gestalteter Möbel in limitierter Auflage, für die Architekten, Designer und Künstler engagiert werden.


