Bürostuhl Impuls

Drabert

Büromöbelhersteller, Minden / Niedersachsen

 

Die Traditionsfirma, die als Schlosserei und Kunstschmiede begann, entwickelt in der Hauptsache Bürostühle – eine der Paradedisziplinen der deutschen Möbelindustrie, in der man in Südniedersachsen über eine jahrzehntelange Erfahrung verfügt. Bereits in den 20er Jahren, lange bevor das Thema geschweige denn das Wort Ergonomie ins öffentliche Bewusstsein rückte, baute Drabert einen Stahlrohrdrehstuhl, bei dem die Anatomie des menschlichen Körpers und die Anforderungen der Arbeitssituation in die Form eingingen. Der Reichspoststuhl von 1928, kurz RP 28, einer der ersten durchgestalteten Bürostühle, ist ein Prototyp seiner Gattung, der in über drei Millionen Exemplaren in deutschen Postämtern stand. Bei der Wahl der wegweisenden Materialien – Stahlrohr und gebogenes Sperrholz – spielte sicherlich einerseits der Einfluss der aufstrebenden Bauhaus-Bewegung eine Rolle, andererseits produzierte man selbst bereits seit der Jahrhundertwende Möbel aus Stahlrohr. Die 50er Jahre brachten weitere Neuerungen. Der Bürostuhl 4 K (1954 von Egon Eiermann) hatte erstmals eine stufenlose Höhenverstellung, das Modell Manager (1958) war der erste Stuhl mit beweglicher Rückenlehne. Schließlich bedeutete die Pendellehne in Verbindung mit einer besonderen Sitzmechanik beim Stuhl Senior (1960) einen weiteren innovativen Schritt. Die Idee eines „rückengerechten“ Stuhls durch aktives Sitzen nahm hier Gestalt an. Aufsehen erregte Drabert schließlich durch den Kunststoffstuhl SM 400 (1968 von Gerd Lange), dessen körperangepasste Ausformung bis heute als beispielhaft gilt. Später wurden kippsichere Rollen (1970), Synchronkippmechanismen und Einhebelbedienung (1975) eingeführt. Seit den 90er Jahren ist das Unternehmen eine Tochter der niederländischen Samas-Groep, des größten europäischen Büromöbelherstellers, und widmet sich neben dem ergonomisch gestalteten Büroarbeitsplatz mittlerweile auch dem Themenkomplex Kommunikation mit Einrichtungen für Schulungs- und Konferenzräume sowie für Warte- und Aufenthaltsbereiche. Auch neuere Bürostühle wie Entrada, Salto und Cambio (alle von Daniel Figueroa) unterstreichen den designorientierten Ansatz. In die Gestaltung des preisgekrönten Seminar- und Konferenzstuhls Tosila (Büro Staubach, 2004) flossen Ergebnisse der gerade abgeschlossenen medizinischen Studie „Mikromotiv“ ein, die im Verbund mit europäischen Forschungseinrichtungen entstand und mit der man erneut seine Kompetenz auf dem Feld ergonomischen Sitzens untermauerte.