Kommodensystem Menos von Behr, Entwurf Peter Maly 1996 / 2004

Behr

Möbelhersteller, Osnabrück / Niedersachsen

 

Kastenmöbel – ein etwas eckiger Terminus, für den der Laie das Wort Schrankwand verwendet – sind ein großes Thema des deutschen Möbeldesigns. Wichtige Kapitel stammen von Behr. Firmengründer Erwin Behr war ein Unternehmer mit Konzept. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg von der Serienfertigung überzeugt, ließ er seine Möbelfabrik an der Eisenbahnlinie Stuttgart-Tübingen errichten. Seine Ideen, die er mit anderen Neuerern teilte, waren Qualität bei günstigem Preis sowie die Einheit von Industrie und Kunst. Dass er von der damaligen Reformbewegung inspiriert war, zeigt die Gründung jenes Abnehmerverbundes mit dem programmatischen Namen „Deutsche Werkstätten für Wohnkunst“, heute WK Wohnen, dessen Hauptproduzent Behr über Jahre war. So verwundert nicht, dass man Architekten als freie Gestalter ins Haus holte und bereits 1923 den Kontakt zum Bauhaus suchte. Dies führte zu einer wegweisenden Weltneuheit, dem von Franz Schuster entworfenen „Aufbauprogramm“; ein kombinierbares Möbelprogramm, das auf einfachen Grundformen basierte und ähnlichen Konzepten wie der „wachsenden Wohnung“ von Bruno Paul (für Deutsche Werkstätten) vorausging. Ganz auf dieser systematischen Linie entstand nach dem Krieg der legendäre Schrankbaukasten BMZ (Behr Möbel Zerlegbar, 1955 von Johan A. Bus), neben Entwürfen wie dem M 125 von Hans Gugelot oder der In-Wand von Herbert Hirche, einem der frühen deutschen Anbau-Klassiker, der über drei Jahrzehnte hinweg produziert wurde und den Wohnschrank für immer veränderte. Ein anderer Meilenstein war Anfang der 70er Jahre das System 1600 (von Jürgen Lange) mit seinem 32-Millimeter-Raster. Mit Headline erschien 1983 ein Programm desselben Gestalters, dessen „Funktionssäule“ 1990 ebenfalls für Aufsehen sorgte. In dieser Zeit begann die bis heute andauernde Zusammenarbeit mit Peter Maly, der bald die Funktion eines Artdirectors einnahm und eine ganze Serie umfassender Schranksysteme vorlegte, darunter Metrix, Menos, Alas und Mundus. Die Kommodenserie Menos ist eine Hommage an den Kubus in einer nochmals gesteigerten formalen Stringenz. Ende der 90er Jahre, Behr ging in neue Hände über, geriet die Entwicklung neuer Produkte ins Stocken. Nach nochmaligem Besitzerwechsel und dem Umzug nach Niedersachsen gelang ein Neuanfang, zu dem neben Maly auch Werner Aisslinger mit dem Schrankprogramm Pure beitrug, das ohne Griffe auskommt und bei dem Horizontale und Vertikale eine neue Balance eingehen.