Leuchte Cellula, Entwurf Nunzia Carbone und Tiziano Vudafieri

Anthologie Quartett

Möbel- und Leuchtenhersteller, Bad Essen / Niedersachsen

 

Ansässig im Westfälischen, einer traditionellen deutschen Möbelregion, passt diese Firma so gar nicht in ihr bodenständiges Umfeld. Die einzige einheitliche Linie sei, dass man »keine Linie« habe, beschreiben die Inhaber Rainer Krause und Michael von Jakubowski ihre ungewöhnliche Strategie. Tatsächlich hat das Unternehmen mit dem etwas akademisch klingenden Doppelnamen seine Wurzeln in einer Zeit, in der das Negationsprinzip Triumphe feierte. Entstanden im Galeriemilieu, angesiedelt zwischen Design, Kunst, Architektur und Mode, entstand AnthologieQuartett aus dem unbotmäßigen Geist der 80er Jahre, als die Protagonisten von Memphis und »Neuem Deutschen Design« geltende Gestaltungsregeln auf den Kopf stellten. Heute umfasst das vielleicht ungewöhnlichste Sortiment der Branche eine umfangreiche Leuchtenkollektion, Einzel- und Systemmöbel, Schmuck, Porzellan und weitere Einrichtungsaccessoires. Produziert wird mit einem Netz in Europa verstreuter, kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe, in denen man noch jenes Wissen findet, das verloren zu gehen droht und auf das man Wert legt. Auf der beeindruckenden Liste der Designer stehen mehr als 150 Namen, wobei über hundert davon noch im Programm vertreten sind. Darin spiegelt sich mit Persönlichkeiten wie Karl Friedrich Schinkel, Richard Riemerschmid oder Marcel Breuer auch deutsche Designgeschichte wider. Insgesamt handelt es sich aber um ein stark international geprägtes Profil: vom großen alten Ettore Sottsass, dessen Serie Indian Memories zu seinem 90.Geburtstag wieder aufgelegt wird, bis zu den fragilen Möbeln des Tschechen Bohuslav Horak. Neu im Programm: historische Grottenmöbel, eine romantische Marotte des 19. Jahrhunderts, die man sich jüngst ohne hörbaren Aufschrei der Kritikergemeinde wieder zu beleben traute. Sitz der Firma mit ihren 25 Mitarbeitern ist Schloss Hünnefeld, ein Ausflugsziel im Teutoburger Wald, in dessen altem Kornspeicher sich ein nagelneuer Showroom befindet. Das klingt leicht elitär, ist aber keineswegs abgehoben. Dass »wer auf den eigenen Stil setzt und sich nicht am Massenmarkt orientiert« , so Jakubowski, »gute Geschäfte machen kann«, hat Anthologie Quartett einumsandere Mal bewiesen. Dafür steht nicht zuletzt Cellula, die moderne Kronleuchter-Ikone und der vielleicht am häufigsten kopierte Leuchtenentwurf der letzten Jahre.