1946-1954 güte der form
Meilensteine
1948 Korbsessel E 10
1949 Stuhl SE 42
1950 Stuhl SE 68, Schrankserie M 125
1952 Türklinke "1034"
1953 Tisch mit Kreuzverstrebung, Tiefer Sessel, Stuhl SE 18,
Salz und Pfefferstreuer Max und Moritz
1954 Stuhl S 664
innovationen
chronologie
1946 In den Ruinenstädten ist Wohnraum Luxus.
1947 Der Innenarchitekt Michael Bayer erfindet ein schwenkbares Sofa. Solche platzsparenden Möbel werden nun gebraucht. – Akuter Nachholbedarf treibt die Menschen in Ausstellungen und Theater. US-Jazz und Boogie Woogie sind die Begleitmusik des Aufbruchs.
1948 Die ausgewanderte deutsche Avantgarde resümiert im Exil die Moderne. Mit Mechanization Takes Command (dt. Die Herrschaft der Mechanisierung, 1982) wird Siegfried Giedion ebenso zu ihrem Chronisten wie ein Jahr später Nikolaus Pevsner mit Pioneers of Modern Design (dt. Der Beginn der modernen Architektur und des Design, 1971 bei Dumont). – In den westlichen Besatzungszonen bringt die »D-Mark« die Wirtschaft in Fahrt. – Der bundesdeutsche Verfassungskonvent tagt in Bonn in der Aula der ehemaligen Pädagogischen Akademie. Das spätere Parlament ist ein Gebäude des »Neuen Bauens«.
1949 Rege Ausstellungsaktivitäten spiegeln die Problemlage. Wie Wohnen?, eine der am häufigsten gestellten Fragen der Zeit, wird in einer Ausstellung in Stuttgart und Karlsruhe beantwortet. Die Lösung sind leichte, oft zusammenklappbare Mehrzweckmöbel. – Auf der erstmals wieder stattfindenden Kölner Möbelmesse dominieren dagegen wuchtige »Stilmöbel«. Der Deutsche Werkbund antwortet darauf mit einer Gegenausstellung. Unter dem altbekannten Titel Neues Wohnen werden Möbelprototypen gezeigt. – Schließlich liefert der Schweizer Max Bill mit seiner Ausstellung Die Gute Form das erste Gebot der nächsten Designreform, die im Kern eine des Wohnens ist. Die zweite Moderne hat begonnen. – Der Drehstuhl S 41 ist eines der ersten Möbel, das Wilde + Spieth auf Anregung des Architekten Egon Eiermann fertigt. Seine Entwürfe machen die Firma zu einem der Hauptlieferanten der Nachkriegsmoderne. – Mit der Einführung des UKW-Rundfunks setzt sich das klobige, an Stilmöbeln orientierte »Einheitsradio« durch. Als erste große Anschaffung vieler Haushalte ist es zugleich das Symbol des »Wirtschaftswunders« wie der damit verbundenen Restauration. – Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik entstehen und werden zu feindlichen Geschwistern im Kalten Krieg. Westberlin ist nun geografisch eine Insel. In der DDR gibt es zwar manche Ansätze, an die Moderne im eigenen Land anzuknüpfen, die aber in der »realsozialistischen« Diktatur nur spärlich umgesetzt werden können. So passen auch Mart Stam und Marianne Brandt als leitende Mitarbeiter des neuen Instituts für industrielle Gestaltung in Ost-Berlin letztlich nicht zur stalinistischen Linie.
1950 Der junge Philip Rosenthal wird Werbeleiter im Familienbetrieb, macht ihn zum Inbegriff »guter Form« und erfindet das »Autorendesign«, ohne es so zu nennen. Einer ihrer Mitarbeiter ist der junge Künstler Hans Theo Baumann, dem mit einem Plexiglasstuhl für Vitra, damals noch Fehlbaum, ein spektakuläres Debüt gelungen ist.
1951 Eine neue Generation stellt die Weichen. Nach dem Tod von Firmengründer Max Braun übernehmen die Söhne Erwin und Artur Braun nicht ganz freiwillig die Frankfurter Phonofirma. Ähnlich vollzieht sich der Wechsel bei Rosenthal, Bofinger und Wilkhahn. Junge zukunftshungrige Unternehmer, zu denen neben anderen auch Heinz Röntgen, der Gründer von Nya Nordiska, gehört, sind von der Kriegserfahrung desillusioniert und auf der Suche nach etwas Anderem. Design, Jazz und moderne Kunst kommen da gerade recht.
1952 Heinrich Löffelhardt wird künstlerischer Leiter bei Arzberg. 13 Service bringen die »gute Form«, nun auch mit zeittypisch organischer Linienführung, auf westdeutsche Mittagstische. – Der Konkurrent Rosenthal engagiert Wilhelm Wagenfeld, der gleichzeitig für WMF und verschiedene Leuchtenhersteller Entwürfe liefert. Der erstaunlich produktive Altmeister zählt neben Hans Gugelot und Herbert Hirche, zu den drei großen Mentoren des zweiten Neubeginns. – In der wiederum komplett überarbeiteten Ausgabe von Die Schöne Wohnung sind erstmals amerikanische und skandinavische Interieurs vertreten.
1953 Unterrichtsbeginn an der der Hochschule für Gestaltung Ulm, die sich als Bauhaus-Nachfolgerin versteht, ebenfalls stark international ausgerichtet ist und genauso zum Anziehungspunkt einer jungen Avantgarde wird. Die Schüler zeichnen mit dem neuen Tuschefüller Rapidograph von Rotring und sitzen auf dem Ulmer Hocker (1955), in dem einige Grundkonzepte stecken. Er ist stockeinfach und frappierend vielseitig. Hans Gugelot entwickelt daraus später ein Möbelsystem für Kinder. – Mit dem Rat für Formgebung in Frankfurt und dem Industrieforum in Hannover entstehen zwei Hüter vorbildlicher Gestaltung, die beide eine italienische Erfindung übernehmen: den Designpreis. – Das Museum of Modern Art in New York zeigt Thonet-Möbel. Es ist die erste Einzelausstellung einer Firma.
1954 Neubauviertel wachsen aus dem Boden. – Neben Benimmbüchern, die den »guten Ton« lehren, steigt die Zahl der Veröffentlichungen, die beim Ausstaffieren der neuen Wohnung zu Vernunft und gutem Geschmack raten. Die Aufforderung Wir richten eine Wohnung ein stammt von Michael Bayer. Damit empfiehlt er sich nicht nur bei seinen zahlreichen Lesern, sondern auch bei Interlübke, damals noch Gebrüder Lübke. Seniorchef Leo Lübke engagiert den jungen Modernisten als Art Director, einen Beruf, den es noch gar nicht gibt. – Dass Deutschland Fußballweltmeister wird, hören die meisten aus dem Radio.











