Stefan Diez
[Translate to english:] Möbel- und Produktdesigner, München / Bayern
Öffentlich hervorgetreten ist er durch Installationen wie z. B. »Qualitätskontrolle«, bei der ein Roboter höchst wertvolle Bustelli-Figurinen »prüft« (2004 für Nymphenburg). Diez ist einer der Shooting Stars der deutschen Szene, jedoch kein abgehobener Designerkünstler. Vor seinem Studium machte er eine Tischlerlehre und ging für ein Jahr nach Indien, wo er für Firmen in Bombay und Poona Möbel baute. Nach dem Examen in Industriedesign arbeitete er ein paar Jahre in den Büros von Richard Sapper und Konstantin Grcic, bis er 2002 in München
ein Studio eröffnete. Das gilt inzwischen – zusammen mit dem seines Mentors Grcic – als ein neues Kraftfeld für kreative Impulse. Ausgangspunkt seiner Arbeit sind stets Modelle und Materialien. Der geborene Bayer beansprucht die Kontrolle über den gesamten Entstehungsprozess. An seinen Entwürfen lässt sich schwerlich etwas Überflüssiges finden, trotzdem haben sie nichts Angestrengtes oder gar Langweiliges an sich. Vielmehr gehen darin Respekt und Respektlosigkeit eine subtile Verbindung ein. So ist der Stuhl Friday (2003 für Prosedia) eine originelle Interpretation des Bugholzstuhls à la Thonet, erinnert aber auch an Raumskulpturen von Gricic und die Arbeiten eines Holzkünstlers wie Hans Wegener. Auch bei der Sitzgruppe Couch (2005 für elmarflötotto) geht es um Zitate: formal ein klassischer Sesselkubus (vgl. Kubus von Peter Keler) bedient sich Diez hier der vom Sitzsack her bekannten Kugelfüllung. Außergewöhnlich ist dabei die ausgetüftelte Struktur von Innen- und Außensack, die es u. a. ermöglicht, dass dieses clevere Leichtmöbel sehr einfach hergestellt werden kann. Inzwischen sind namhafte Hersteller auf den Noch-Newcomer aufmerksam geworden. Für Schönbuch gestaltete er die GarderobeUpon, für Rosenthal das minimalistische Besteck Tema, die Haushaltsgeräte-Serie Shuttle und das Wok-Set Genio. Bei Letzteren geht es nicht zuletzt um das Vom-Herdauf-den-Tisch-Prinzip. Das heißt, der Wok wird in einer passenden Porzellanschüssel »mitserviert«. Das Umfüllen entfällt. Auch in der Kombination so gegensätzlicher Werkstoffe wie Metall und Porzellan liegt ein Reiz dieser eigentlich so naheliegenden Idee.


