Sofa Compose, Entwurf Michael Bayer

Michael Bayer

[Translate to english:] Möbeldesigner, 1916 - 2008, lebte in Detmold / Nordrhein-Westfalen

 

Zwei Ereignisse während der 30er Jahre, so betonte er, hätten seinen Berufsweg bestimmt: ein einziges Gespräch mit dem charismatischen Ludwig Mies van der Rohe, der ihm dabei die Idee des „offenen Wohnens“ einpflanzte, sowie die Begegnung mit der Werbe- und Markenkoryphäe Hans Domizlaff, den er bei Siemens in Berlin kennenlernte. Sein erster eigener Entwurf war 1947 ein schwenkbares Sofabett, das in der Ruinenzeit zum Bestseller wurde. Bayer machte sich selbständig, hatte bald ein eigenes Studio in der Nähe von München, in dem er Anzeigen für die Wohnbranche gestaltete. Durch das Buch „Wir richten eine Wohnung ein“ (1954) über die damalige Hauptbeschäftigung der Deutschen, kam er in engen Kontakt zur Möbelindustrie. Während der 50er Jahre konnte der Modernist, der keinen direkten Kontakt zur Ulmer Schule hatte, schließlich seine Designideen umsetzen. Inzwischen lebte der gebürtige Böhme in Detmold, wo er an der im Aufbau begriffenen Fachhochschule für Innenarchitektur lehrte und u. a. Dozent von Peter Maly war. Für die Firma Interlübke (damals Gebrüder Lübke), die nur eine Autostunde entfernt lag, entwarf er moderne Anzeigenserien und ein neues Markenzeichen. Schließlich entwickelte er Ende der 50er Jahre mit „An- und Aufbausystemen“ als erster eine Alternative zur damals üblichen Schlafzimmergarnitur. Um über die neue Wohnweise aufzuklären, gründete die westfälische Firma schließlich ihren eigenen Wohnberatungsdienst. Die Botschaft: Man kann mit einem einzigen, modularen Möbelprogramm eine ganze Wohnung einrichten. Wie bei Hans Gugelots M 125 waren alle Elemente auf ein Rastermaß abgestimmt, hier 55 Zentimeter. Mit der Einführung seines umfassenden Systems Interlübke im Jahr 1962 war nicht nur ein neuer Firmenname geboren. Es war auch die Umwandlung einer mittelständischen Möbelfabrik zur Designmarke. Das Programm Quinta, das Bayer für die Schwesterfirma Cor entwarf, gilt als das erste konsequent variable Polstersystem. Später fasste Bayer seine Ideen in einer „Farbigen Wohnfibel“ zusammen, die er mit führenden Möbelfirmen realisierte: ein Manifest für modernes deutsches Wohndesign, das in den 60er und 70er Jahren zehnmal erschien, eine Millionenauflage erreichte und auch ins Japanische übersetzt wurde. Im Leben des Wohnreformers Michael Bayer spiegelt sich das Jahrhundert der deutschen Möbelmoderne.