Karl Dittert
[Translate to english:] Möbel- und Produktdesigner, Schwäbisch-Gmünd / Baden-Württemberg
Anfangs arbeitete er fast ausschließlich mit dem Werkstoff Metall. Der gelernte Silberschmied entwarf klar gestaltete Gefäße und Bestecke für schwäbische Hersteller, darunter auch die Firma WMF, wo noch der Übervater Wilhelm Wagenfeld wirkte. Erst um 1970 wandte sich Dittert dem Möbelbau zu. Als Designer ist er also ein Autodidakt. Aber gleich die Premiere, ein Bürostuhl mit weichem, voluminösem Polster in einer Schale aus Schichtholz, wurde zu einem Verkaufserfolg. Ein von Karl Dittert erdachtes futuristisches „Manager-Cockpit“ aus Kunststoff ging zwar nie in Produktion, fiel aber der heute nicht mehr existierenden Firma Voko auf, damals eine der kreativsten der Branche. Es folgten Jahrzehnte fruchtbarer Zusammenarbeit. Sie begann mit dem ersten, vollständig aus Kunststoff bestehenden Bürostuhl (1973), der zum flächendeckend kopierten Vorbild wurde. Der in Mähren gebürtige Dittert, zu dessen Vorbildern der Wiener Modernist Adolf Loos gehörte und der eigentlich ans Bauhaus wollte - das aber bereits geschlossen war -, studierte als junger Mann stattdessen Kunst in Berlin und ging nach dem Krieg an die Fachschule für das Edelmetallgewerbe in Schwäbisch-Gmünd, heute Fachhochschule für Gestaltung. Dort wurde er Dozent, später Direktor, und schuf den Ausbildungsgang Produktdesign. Schon seine Metallgefäße hatte der Systematiker modular angelegt. Er gehört, neben Peter Raacke und Otto Zapf, zu den Pionieren moderner Bürosysteme und setzte sich den „totalen Baukasten“ und die damit einhergehende Auflösung des Einzelmöbels zum Ziel – eine in Deutschland immer wieder aufgegriffene Uridee, die tief in der Bauhaus-Ära wurzelt. Ihre „Totalisierung“ gelang unter anderem mit den bahnbrechenden Entwürfen MEP (Modulares Elementprogramm) und dem für Manager konzipierten Arbeitsplatzsystem Univers V 10, bei denen nicht mehr Räume möbliert, sondern nur geschaffen wurden. Dittert ist eine der zentralen Persönlichkeiten des bundesdeutschen Nachkriegsdesigns. Als Lehrer beeinflusste er mit seinem analytischen Ansatz ganze Generationen von Studenten, darunter bekannte Namen wie Hartmut Esslinger, Wolfgang C. R. Mezger und Reiner Moll.


