Wolfgang Tümpel

Silberschmied und Lampendesigner, geb. 1903, gest. 1978

 

Auch Wolfgang Tümpel gehört wie Marcel Breuer, Wilhelm Wagenfeld u.a. zu der in die Reformzeit hinein geborenen Generation. Um Soldat zu werden, ist er zu jung, aber die Zeit von Krieg und Revolution erlebt er in seiner Jugendbewusst. Er wird zu einem bedeutenden Wegbereiter des deutschen Industriedesigns, dessen Name dennoch nur Spezialisten bekannt ist. Der Ostwestfale macht in seiner Heimatstadt ab 1920 eine Goldschmiedelehre und studiert nebenbei an der Kunstgewerbeschule, u.a. bei Karl Muggly und Gertrud Kleinhempel, einer früheren Mitarbeiterin der Deutschen Werkstätten, die als eine der ersten Frauen in Preußen Professorin wird. Seine Entscheidung, ans Bauhaus zu gehen, ist also kein Zufall. Im Wintersemester 1922 nimmt er dort sein Studium mit dem Vorkurs bei Johannes Itten auf. In der zweiten Hälfte des Jahres 1923 arbeitet er in der Metallwerkstatt bei Naum Slutzky, später bei László Moholy-Nagy und Christian Dell. Hier trifft er auf ein kreatives Umfeld mit den Studierenden wie Marianne Brandt,Wagenfeld u.a., die eine Keimzelle der späteren Entwicklung bilden. Daneben ist er auch in der Bühnenwerkstatt bei Oskar Schlemmer tätig. Nach der Schließung des Weimarer Bauhauses geht er wie viele andere Künstler nicht mit nach Dessau, sondern folgt seinem Freund Gerhard Marcks an die Kunstgewerbeschule BurgGiebichenstein in Halle. Dort gründet er 1927 seine erste eigene Werkstatt für Gefäße, Schmuck und Lampen, die er 1928 an Hans Przyrembel übergibt. Ab 1927 ist er Entwerfer für die Lampenhersteller Goldschmidt & Schwabe in Berlin sowie Bünte & Remmler in Frankfurt am Main (bis 1930). Er ist Mitautor des Buches Licht und Beleuchtung, das 1928 von Wilhelm Lotz herausgegeben wird. 1929 arbeitet er für die Ruppelwerke in Gotha, bei denen Brandt später künstlerische Leiterin wird, eröffnet im Sommer desselben Jahres eine Werkstatt in Köln und arbeitet als freier Entwerfer für WMF (bis 1932). 1934 geht er zurück nach Bielefeld und eröffnet wiederum eine Werkstatt, wo er 1939 auch seine Meisterprüfung ablegt. Nach dem Krieg lehrt er an der Landeskunstschule in Hamburg (1955-61) und arbeitet für namhafte Hersteller, darunter Pott und Tchibo.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009