Wera Meyer-Waldeck

Zeichnerin und Architektin, geb. 1906, gest. 1964

 

Sie gehört wie Gertrud Arndt, Hinrich Bredendieck, Kitty Fischer u.a. zur jüngsten Generation der Studierenden, in deren Kindheit der Weltkrieg begann. Außerdem hat auch sie hat einen jener äußerst ungewöhnlichen Lebensläufe,
die am Bauhaus allerdings häufig waren. Aufgewachsen in Alexandria, wo sie nach deutschen Lehrplänen privat unterrichtet wird, wandert ihre Familie bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit der 8-jährigen in die Schweiz aus und kehrt vier Jahre nach Kriegsende nach Deutschland zurück. In Dresden holt sie,mittlerweile 16-jährig, ihr Abitur nach und schließt eine Ausbildung als Kindergärtnerin an. 1924 beginnt sie ein Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule. Sie geht 1927 ans Bauhaus Dessau, besucht den Vorkurs bei Josef Albers und Lázsló Moholy-Nagy sowie Unterricht bei Wassily Kandinsky und Paul Klee. Danach wird sie ab dem Wintersemester 1927 Studentin in der Tischlerei unter Marcel Breuer, Josef Albers und schließlich ab 1929 in der Ausbauabteilung. Damit ist sie, von ein paar Beurlaubungen abgesehen, fast vier Jahre im Möbelbereich tätig und bekommt den Gesellenbrief. Später geht sie in die Werkstatt für Wandmalerei bei Alfred Arndt. 1932 besteht sie ihr Bauhaus-Diplom. Sie geht in die Schweiz, bevor sie 1934 nach Dessau zurückkehrt, um bei den Junkers-Werken als Zeichnerin zu arbeiten. Ab 1937 ist sie in der Obersten Bauleitung der Reichsautobahnen angestellt und gestaltet Brücken, Rasthäuser und Bürobauten. 1939 wechselt sie als Zeichnerin zur Reichsbahndirektion (bis 1941). Danach ist sie für ein Hüttenwerk in Oberschlesien tätig. 1945 flüchtet sie nach Dresden,wo sie, bereits in den Vierzigern, nochmals Innenarchitektur an der Hochschule für Werkkunst studiert. Nachdem sie 1948 in die amerikanische Zone geht, ist sie 1949 an der Werkbundausstellung „Neues Wohnen“ in Köln beteiligt. Für kurze Zeit wird sie Mitarbeiterin des Architekten und Werkbundlers Hans Schwippert in Düsseldorf, der gerade Bundesbauten in der neuen Hauptstadt Bonn realisiert. 1950 eröffnete sie in Bonn ein eigenes Architekturbüro.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009