Wassily Kandinsky

Maler, geb. 1866, gest. 1944

 

Wenn der Begriff „Formmeister“ auf jemandem zutrifft, dann sicherlich auf ihn. Er ist der älteste unter den Professoren, gehört zu den Lichtgestalten der Avantgarde und ist eine der Schlüsselfiguren am Bauhaus, an dem er eine Sonderstellung genießt. Obwohl der innere Zusammenhang zum Schulkonzept uneindeutig bleibt, hat er immensen Einfluss auf Stile sowie Sichtweisen und beeinflusst insofern indirekt die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen. Auch als die Kunst mehr und mehr marginalisiert wird, schwebt er sozusagen über den Dingen. Von vielen Studierenden wird er vergöttert. Der Sohn einer wohlhabenden Moskauer Teehändlerfamilie wird Jurist an der dortigen Universität, entscheidet sich jedoch für die Malerei. 1897 geht er nach München, wo er für sich größere Chancen sieht. Hier studiert er zuerst an der privaten Malschule von Anton Ažbe, ab 1900 an der Kunstakademie bei Franz von Stuck, zu dessen Schülern auch Paul Klee gehört. Es folgen Reisen durch Europa und Nordafrika und eine künstlerische Experimentierphase, die ihn schließlich zum Expressionismus führt. 1911 entsteht die Gruppe Der blaue Reiter, die seinen künstlerischen Durchbruch bedeutet. Im folgenden Jahr stellt er das erste Mal in der Berliner Galerie Der Sturm aus. In dieser Zeit lernt er Klee kennen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs geht er in die Schweiz und von dort aus nach Russland. Die Oktoberrevolution 1917 bringt den Verlust seines Vermögens, aber auch die Hoffnung auf eine Erneuerung der Kunst. Er wird Professor an der Universität Moskau. Die Einschränkungen der Kunstfreiheit in der Sowjetunion führen aber zum Konflikten. Auch deshalb folgt er 1922 dem Ruf von Walter Gropius an das Bauhaus in Weimar bereitwillig und trifft dort auch Klee wieder. Bis 1925 ist er Formmeister, sprich Professor, für Wandmalerei und damit Nachfolger von Oskar Schlemmer. Sein Kurs für Form- und Farbenlehre besitzt für das Gros der Studierenden einen sehr hohen Stellenwert. Am Bauhaus ist er, neben Lyonel Feininger, Johannes Itten und Klee, der Spezialist für Abstraktion. Die hiermit verbundenen, wenn auch indirekten, Auswirkungen auf die Gestaltung von Produkten sind evident. Peter Kelers Wiege in Grundgeometrien und Gelb-Rot-Blau ist dafür nur das offensichtlichste Beispiel. Selbst mit der kühlen Stahlrohrästhetik eines Marcel Breuer hat er sich auseinandergesetzt. In seinem Meisterhaus stehen Möbel aus verschiedensten Epochen. Nicht zuletzt durch ihn wird die Hochschule zu einem Treffpunkt für Avantgardisten, mit denen er auch persönlich Kontakte pflegt, darunter Alexej von Jawlensky. 1926 erscheint im Rahmen seiner Lehrtätigkeit die kunsttheoretische Schrift Punkt und Linie zu Fläche. Ab 1927 gibt es eine von ihm geführte freie Malklasse. Als das Bauhaus 1933 geschlossen wird, zieht er nach Neuillysur-Seine, einen Pariser Vorort. 1940 flieht er vor dem Einmarsch der Deutschen in die Pyrenäen. Nach der Befreiung Frankreichs findet 1944 noch einmal eine Ausstellung in Paris statt.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009