Walter Gropius
Architekt, Möbel- und Produktdesigner, geb. 1883, gest. 1969
Auch dass sein Geburtstag immer mit einer einfallsreichen Gratulationstour begangen wurde, macht deutlich, wie viel seinen Schülern und Kollegen ihr Mentor bedeutete. Durch ihn, den man – wie seinen Lehrer Behrens – auch als frühen Designmanager sehen kann, hat die »Neue Sachlichkeit« einen entscheidenden Schub bekommen. Ereignisse wie die Eröffnung seines Dessauer Bauhaus-Gebäudes im Jahr 1926 wusste er effektvoll zu nutzen. Von seinen eigenen, gar nicht so zahlreichen Produktentwürfen hat die zylindrische Türklinke 1102 (1922) Symbolstatus. Die modularen »Einheitsmöbel«, die er 1929 für ein Berliner Kaufhaus entwarf, gerieten dagegen weitgehend in Vergessenheit, obwohl sie universelle Konzepte der 50er Jahre etwa von Michael Bayer, Herbert Hirche oder Peter Raacke in frappierender Detailliertheit vorwegnahmen. Bereits 1934 emigrierte Gropius über London, wo er knapp drei Jahre als Chefdesigner der Firma Isokon auch eigene Möbel entwarf, schließlich in die USA. Mit den Bauten im amerikanischen Exil machte er sich, neben Breuer und Ludwig Mies van der Rohe, zum Majordomus unter den Architekten seiner Generation. Das Teeservice TAC 1 (1969 für Rosenthal) ist ein später Singular von außerordentlicher Geschlossenheit.



