Stuhl Dreibeiner B1, Hersteller Tecta

Stefan Wewerka

Architekt, Künstler und Möbeldesigner, Magdeburg / Sachsen-Anhalt

 

Stühle ohne Sitzfläche, schiefe Stühle, Stühle, die in der Wand verschwinden, Stühle, die sich - weil nur aus einer Hälfte bestehend - erst im Spiegel wieder zu einem Ganzen zusammenfügen oder Stuhlfragmente, bei denen sich ein Teil haltsuchend an ein anderes lehnt. Dies sind Werke aus dem Atelier des Objektkünstlers Stefan Wewerka, der die These vertritt: „Man muss schief sein, um geradeaus zu gehen.“ Der Architekt und spätere Aktionskünstler, Designer, Schmuck- und Filmemacher aus Magdeburg begann seine Karriere Mitte der 50er Jahre mit dem Bau einer ungewöhnlichen Jugendherberge sowie mit Visionen zu einer „Erdarchitektur“. In den 70er Jahren, damals stand er der Fluxus-Bewegung nahe, kam der eigenwillige Mann plötzlich zu ersten industriell produzierten Möbeln. In Unternehmer Axel Bruchhäuser, Inhaber der Möbelfirma Tecta, fand er einen aufgeschlossenen Partner, für den Möbel etwas mit Kunst zu tun haben und jeder Entwurf ohnehin ein Experiment ist. Bruchhäuser war außerdem mit seinen Mitarbeitern in der Lage, auch ungewöhnliche Ideen zur Produktionsreife zu bringen. Seit Beginn der 80er Jahre - Wewerka hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahrzehnte mit Möbelobjekten beschäftigt - schuf der Kreative für das westfälische Unternehmen eine hochkomplexe Kollektion, die Schränke, Tische und Stühle, aber auch Kommoden, Lampen und Sofas umfasste. Er entwickelte dabei eine eigenständige, geometrisch-asymmetrische Formsprache. In ihr verbinden sich überraschende Proportionen und Bezüge auf die funktionalistische Moderne, sei es Mies van der Rohe wie beim Einschwinger (ein einziges etwa drei Meter langes zu einem Stuhl gebogenes Rohr) oder Gio Ponti beim Stuhl B4 aus schwarzgebeizter Esche. Höhepunkte in Wewerkas Konzeptionalismus sind die Kleinwohneinheit Cella sowie das mehrfach ausschwenkbare Koch-Ensemble Küchenbaum. Dies sind ebenso skulpturale wie vielseitige Ensembles, die den Schwenk Stefan Wewerkas vom Bürgerschreck hin zum Funktionsverdichter verdeutlichen, der die erstaunliche Brücke vom Konstruktivismus zum Dekonstruktivismus schlug. Beim Stuhl B 1 schuf der Kreative aus zwei zersägten Stühlen ein neues Modell, auf dem man in vielen verschiedenen Positionen sitzen kann.