Teppich Palazzo

Sigrid Wylach

Unternehmerin und Textildesignerin, Wuppertal / Nordrhein-Westfalen

 

Um 1960 studierte die gebürtige Berlinerin an der Werkkunstschule Hannover, einer neu erstandenen Nachkriegsstadt, durch deren rational geplantes Straßenraster der Geist der zweiten Moderne wehte. Danach war sie im Teppichatelier von Vorwerk als Entwerferin und Patroneurin beschäftigt. Ende der 60er Jahre sammelte sie als Beraterin für die Bayer AG wichtige Erfahrungen, nicht zuletzt bei der Planung verschiedener Ausstellungen. Darunter war auch jene Reihe mit dem zeittypischen Namen Visiona, für die der Leverkusener Chemiekonzern um 1970 während der Kölner Möbelmesse hochkarätige internationale Designer engagierte. Auch die junge Sigrid Wylach präsentierte dort Teppichentwürfe, die sie bald in einer eigenen Werkstatt herstellen ließ. Es folgten zahlreiche Aufträge für Banken, Hotels, Botschaften und Industrieunternehmen. Ein Auftrag ragte aus allen anderen heraus: Das Projekt, eine neue Teppichkollektion für eine vorhandene Möbelkollektion zu entwickeln, war an sich schon eine außergewöhnliche Sache. Dass es sich dabei aber um die Firma Knoll International handelte – seit den 50er Jahren ein Inbegriff für moderne Inneneinrichtung im sachlichen „internationalen Stil“ –, verlieh dem Projekt übergeordnete Bedeutung. Für wichtige Möbelklassiker wie Ludwig Mies van der Rohes Freischwinger, Eero Saarinens berühmten Tulpenstuhl und Warren Plattners imposante Drahtmöbel ließ sich Wylach den passenden Untergrund einfallen. Ihr ästhetisches Zwiegespräch mit den Giganten der Moderne überzeugt bis heute. Dabei können die Teppiche, die Knoll weltweit in seinen Filialen einsetzte (und die heute von Markanto vertrieben werden), durchaus eigenständig bestehen.