Otto Rittweger
Silberschmied, Designer und Architekt, geb. 1904, gest. 1965
Otto Rittweger gehört wie Kitty Fischer, Grete Reichardt und Franz-Rudolf Wildenhain zur jüngsten Studentengeneration am Bauhaus, für die künstlerischer Avantgardismus und Funktionalismus nicht mehr erkämpft werden müssen, sondern bereits Realität sind. Aus seinem Ausbildungsweg spricht ein gewisser Pragmatismus, der ebenfalls in die neusachliche Zeit passt.Wie seine Werkstattkollegen Marianne Brandt und Wolfgang Tümpel gelingt ihm der Schritt vom Handwerk zum Industriedesign. Der gebürtige Bayer, über dessen Jugend nichts bekannt ist, kommt 1923 als 19-jähriger ans Bauhaus in Weimar und besucht den Vorkurs bei Josef Albers und László Maholy-Nagy sowie den Formenunterricht von Paul Klee und Wassily Kandinsky. Schließlich studiert er in der Metallwerkstatt unter Maholy-Nagy, die sich gerade zu einer kreativen Keimzelle entwickelt. Zu den von ihm entworfenen Produkten gehören die in diesem Bereich üblichen Kleinobjekte wie Aschenbecher, Dosen, Kerzenständer und Lampen, die einfache Formen aufweisen und sämtlich in Handarbeit gefertigt sind. Sein Teeservice von 1924 erinnert an das von Marianne Brandt aus demselben Jahr.Mit Tümpel entwirft er 1924 Teekugeln mit Aufhängevorrichtung. 1928 legt er, nach fünfjähriger Ausbildung, seine Gesellenprüfung als Silberschmied ab,woraufhin er das Bauhaus verlässt. Er wird 1930 für ein Jahr künstlerischer Leiter der Lampenfabrik Goldschmidt & Schwabe in Berlin, für die er industriell gefertigte Wand und Deckenlampen im neusachlichen Stil entwirft. Später arbeitet er auch als freier Architekt, zunächst in Berlin und ab 1945 in Rheinfelden in Südbaden.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

