Otto Lindig
Bildhauer und Töpfer, geb. 1895, gest. 1966
Zur Generation von Marianne Brandt gehörend, ist er von Kunst geradezu „beseelt“. Am Bauhaus wird er zu einem Erneuerer der Keramik im Sinne der Neue Sachlichkeit, der die Zusammenarbeit mit der Industrie als einer der ersten betreibt. Als er 1909 eine Zeichen- und Modellierschule und eine Bildhauerlehre im thüringischen Lichte besucht und 1913 nach Weimar kommt, um an der Kunstgewerbeschule bei Henry van de Velde zu studieren,will er Künstler werden. Ab 1915 arbeitet er im Atelier des Monumentalbildhauers Richard Engelmann, dessen Abendkurse er zuvor bereits besucht hat. Es folgt ein kurzer Einsatz als Soldat am Ende des Ersten Weltkriegs. Danach wird er Mitarbeiter bei Engelmann, der ein Jahr die Bildhauerwerkstatt am Bauhaus leitet, bevor er es unter Protest gegen die „Kunstgewerbler“ verlässt. Lindig studiert nun in der Keramikwerkstatt im nahen Dornburg unter Gerhard Marcks und Max Krehan, besteht 1922 seine Gesellenprüfung und wird 1924 deren technischer Leiter. Frühe Studenten sind z.B. Theodor Bogler und Marguerite Friedlaender, die in der Dornburger Abgeschiedenheit ein kreatives, ja bohemehaftes Team bilden. 1925 folgt er dem Bauhaus nicht nach Dessau, sondern bleibt in Dornburg als Lehrer der Bauhochschule in Weimar, der Bauhaus-Nachfolgerin, die ähnliche Ziele verfolgt. Nachdem 1930 auch diese Hochschule von den Nationalsozialisten unliebsamen Personen „gesäubert“ wird, pachtet er die Töpferei und führt sie erfolgreich als Privatunternehmen fort. 1947 geht er nach Hamburg und erhält dort einen Lehrauftrag an der Hochschule für bildende Künste, an der auch Marcks unterrichtet.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

