Otl Aicher
Grafiker, Ulm, geb. 1922, gest. 1991
Er fuhr gelegentlich nach Grönland oder in die Sahara. Dort sei das Licht "klar und scharf". Die Vorliebe für extreme Landschaften kam nicht von ungefähr. Auch Aichers Denken galt als elementar kompromisslos. Widerständler und Deserteur während der NS-Zeit, wurde er nach dem zweiten Weltkrieg zum Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Er hatte die Formaskese für Generationen verbindlich gemacht. Vertretern der klassischen Moderne wie etwa Josef Albers glich er nicht nur in der Konzentration auf das Wesentliche, sondern auch in seinem Bestreben, getrennte Bereiche der Wirklichkeit in einer übergreifenden Synthese zu integrieren. So wurde er fast zwangsläufig zum Protagonisten zweier Dauerthemen des deutschen Designs: Minimalismus und System. Als Gegner alles Oberflächlichen und Dekorativen hat er die Welt, die uns umgibt, vielleicht mehr verändert als jeder andere deutsche Designer.
In Ulm unterrichtete er ab 1954 "Visuelle Kommunikation", wie man die rationalisierte Grafik seitdem nannte. Es war die Firma Braun, bei der er - wie vormals Peter Behrens bei AEG - erstmals zum Initiator einer stimmtigen und vertrauensbildenden Unternehmensstrategie wurde, in die auch das Produktdesign eingebettet war. Es folgten Lufthansa und der Fernsehsender ZDF. Zum endgültigen Durchbruch wurden die olympischen Spiele in München.
Das von ihm geleitete Kreativteam war hier nicht nur für die komplette Grafik verantwortlich - vom Logo über Plakate bis hin zu den wegweisenden Piktogrammen-, sondern auch für Uniformen und die Ausstattung der Gebäude. Diese Totalgestaltung eines Großereignisses war ein Novum und machte Aichers radikalen Ansatz weithin bekannt.
1980 entwarf er eine Reihe von Büromöbeln aus verchromten Rohr, zu dem ein Rollhocker, Regale, Gitterbrücken und ein Beistellwagen für Hängeordner (heute Manufactum) gehörten. Hier wurden Möbel auf ihr Skelett reduziert. Den Dingen auf den Grund zu gehen, war seine Methode. Damit verhalf er dem Küchenhersteller Bulthaup Anfang der 80er Jahre zur Überwindung der Zeilenküche. Sein modulares System b, dem eine scharfsinnige Studie vorausging, bedeutete eine Paradigmenwechsel.
Otl Aicher starb am 01. September 1991 an den Folgen eines Unfalls.



