Lyonel Feininger
Maler und Karikaturist, geb. 1871, gest. 1956
Er ist einer der herausragenden Vertreter der modernen Kunst in Deutschland und der einzige, der nahezu während der gesamten Bauhaus-Zeit Meister ist, wenn auch ab 1925 ohne Lehrauftrag. Als er ans Bauhaus kommt, ist er bereits 50 Jahre alt; nur Wassily Kandinsky war noch älter. Die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen beeinflusst er allerdings kaum. Der Sohn zweier in den USA angesehener deutschstämmiger Musiker siedelt 1887 mit seiner Familie zurück nach Deutschland. Er besucht die Gewerbeschule in Hamburg und besteht die Aufnahmeprüfung der Berliner Kunst-Akademie. In diese Zeit fallen zahlreiche Reisen, unter anderem nach Lüttich, Paris und an die
Ostsee, eine Landschaft, die ihn stark inspiriert. Er arbeitet als Illustrator und erfolgreicher Karikaturist für deutsche und amerikanische Zeitschriften, für die er u.a. frühe Comics entwickelt. 1908 zieht er nach Berlin. Bald darauf geht der Kosmopolit mit seiner zweiten Frau Julia Berg nach Paris, um dort ein weiteres Kunststudium aufzunehmen. 1909 schließt er sich der Berliner Secession an. 1911 lernt er in Paris den Maler Robert Delaunay kennen und stellt im Salon Artistes Indépendants aus. Er nimmt 1913 gemeinsam mit Künstlern des Blauen Reiters an einer Ausstellung in der Berliner Sturm-Galerie teil, an der auch Georg Muche tätig ist. 1918 wird er Mitglied der revolutionären Novembergruppe, zu der auch Ludwig Mies van der Rohe gehört, und trifft im„Arbeitsrat für Kunst“ Walter Gropius. Dieser beruft den Avantgardisten im folgenden Jahr als Formmeister an das Bauhaus in Weimar,wo er bis 1926 Grafik und Malerei unterrichtet. Die 1923 vollzogene Wende zur Dominanz der Technik wird von ihm missbilligt. 1924 gründet er mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky die Gruppe „Die blaue Vier“. Als das Bauhaus nach Dessau umzieht, bleibt er zwar Meister und wohnt auch mit seiner Familie in einem der Meisterhäuser, lässt sich aber von seiner Lehrtätigkeit entbinden. Ab 1929 hat er ein Atelier in der Moritzburg in Halle. 1931 zeigt die Nationalgalerie in Berlin zu seinem 60. Geburtstag eine große Retrospektive. 1933 zieht er von Dessau nach Berlin. Von 1935 an gibt er Seminare in den USA, anschließend emigriert er 1937 nach New York. Die Nationalsozialisten erklären seine Arbeiten zur „entarteten Kunst“ und beschlagnahmen viele seiner Bilder. In den USA gelingt dem nahezu 70-jährigen noch einmal der künstlerische Durchbruch mit richtungweisenden Bildern des Abstrakten Expressionismus.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

