Ludwig Mies van der Rohe
Architekt und Möbeldesigner, geb. 1886, gest. 1969
Obwohl der Sohn eines Aachener Steinmetzes nie eine offizielle Abschlussprüfung durchlief, schien ihm der Beruf des Architekten in die Wiege gelegt. Im Betrieb des Vaters früh mit Dingen des Bauwesens vertraut, ging er als 19-Jähriger nach Berlin, wo er in den Büros von Bruno Paul und Peter Berens arbeitete, zwei Zentralfiguren der Reformbewegung. Mies fand Zugang zu wohlhabenden, gebildeten Kreisen, zum Teil Sammler, die seinen Blick auf die moderne Kunst lenkten. Anfang der 20er Jahre entstanden erste Entwürfe für Wolkenkratzer. Nach gescheiterter Ehe führte er nun das Leben eines Junggesellen, der als Modernist jeder »trivialen Verzierung« entsagte. Allerdings verließ er selbst bei seinen revolutionären offenen Grundrissen – zumeist für Villen – nie das Grundmuster bürgerlichen Wohnens, wozu die Trennung von Herren- und Damenbereich sowie die Abschirmung vom Personal gehörten. Möbel entstanden als Nebenprodukte seiner Bauten. Marksteine des Designs sind die Arbeiten für das von ihm geleitete Projekt der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927), seinen deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona (1929) sowie die Villa Tugendhat im mährischen Brünn (1930). Die Weltkarriere begann mit dem in Stuttgart vorgestellten hinterbeinlosen »Freischwinger«, ein Konzept von Mart Stam, das er verfeinerte. Den Sessel MR 90 für die Weltausstellung bezeichnete er als »monumentales Objekt«.


