Ludwig Hirschfeld-Mack

Künstler, geb. 1893, gest. 1965

 

Ludwig Hirschfeld-Mack gehört zur Generation von Marianne Brandt sowie Johannes Itten und ist stark von der

Reformzeit, der modernen Kunst und dem Ideal des schöpferischen Menschen, aber auch vom Trauma des Ersten Weltkriegs geprägt. Seine eigene Kreativität, die er besonders auf den Gebieten Licht und Farbe umsetzte, bringt als Produkte insbesondere Spielzeug hervor. Seine Biografie ist brüchig und kann mithin als typisch deutsch bezeichnet werden. Der Sohn eines jüdischen Lederwarenherstellers besucht in Frankfurt am Main ab 1903 die reformerische Musterschule, die er jedoch 1910 ohne Abitur verlässt. Es schließen sich eine handwerkliche Lehre im väterlichen Betrieb und 1911 ein freiwilliger Militärdienst an, bei dem ihm ein Kamerad auf die Arts-and-Crafts-Bewegung aufmerksam macht. 1912 beginnt er ein Studium an der reformorientierten Münchener Debschitz-Schule für angewandte und freie Kunst. Im gesamten Ersten Weltkrieg ist er Soldat – ein tiefgreifendes Erlebnis, das ihn zum Friedenspropagandisten werden lässt. 1919 folgt ein kurzes Studium an der Kunstakademie Stuttgart, an der er, wie vorher Itten, Ida Kerkovius, Oskar Schlemmer u.a., als Student des Malers Adolf Hölzel Einblicke in dessen Farbenlehre erhält. 1919 beginnt er sein Studium am Bauhaus Weimar mit dem Vorkurs bei Itten. Mit ihm und Bauhaus-Künstlern wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee teilt er die Vision eines künftigen Weltfriedens. Feininger wird auch sein Lehrer in der Druckerei. 1921 legt er die Gesellenprüfung ab. Außerhalb des offiziellen Lehrplanes organisiert er ein Farbenseminar, das später zur Entwicklung seines Farbkreisels führt und seine Umsetzung in den Farblichtspielen findet, einer frühen Multimediaschau, mit der er auf Tournee geht und die u.a. im UFA-Theater in Berlin gezeigt wird.Hilfe erhält er bei seinen Aktivitäten durch die mit ihm befreundete Alma Buscher. Wie diese beschäftigt auch er sich mit Spielzeug und entwirft eine modulare Puppenstube. Ab 1923 bezieht er ein Gehalt und vermittelt u. a. zwischen Form- und Handwerksmeister in der Druckereiwerkstatt. Er zieht 1925 nicht mit nach Dessau, sondern bleibt in Weimar. Es folgt eine Begegnung mit dem expressionistischen Schweizer Dichter Albert Talhoff, der ihn stark beeindruckt. 1926 nimmt er eine Stelle als Kunsterzieher bei der Freien Schulgemeinde Wickersdorf im Thüringer Wald an, für die er auch Mobiliar entwirft, das stark am Vorbild Marcel Breuers orientiert ist. 1928 hält er Vorlesungen über Licht und Farbe an der Hochschule für Baukunst in Weimar, der Nachfolgerin des Bauhauses, an der er 1929 Lehrer wird. In dieser Zeit entwickelt er ein Farbkonzept für die Innenräume des von Otto Bartning erbauten Musikheims in Frankfurt an der Oder. 1930 wird er Professor an der dortigen, neu gegründeten Pädagogischen Akademie, die wegen ihrer sozialreformerischen Ausrichtung aber bereits 1932 auf Betreiben der Nationalsozialisten wieder geschlossen wird. 1936 emigriert er nach England, wo er Walter Gropius trifft, verschiedene Stellen als Lehrer bekleidet und 1940 als „feindlicher Ausländer“ nach Australien deportiert wird. Nach seiner Entlassung aus der Internierung wird er australischer Staatsbürger und einflussreichster Kunstpädagoge des Landes. Er kehrt nur noch dreimal nach Deutschland zurück.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009