Klaus Franck

Grafiker, Produkt- und Möbeldesigner, Berlin

 

Eigentlich wollte er Jazzmusiker werden. Der Entschluss zu einer bürgerlichen Existenz führte dann Anfang der 50er Jahre zu einigen Semestern Architektur in Braunschweig. Es folgte das Studium an der gerade gegründeten Ulmer Hochschule für Gestaltung - eine Weichenstellung. Diese intensiven Jahre wurden unterbrochen durch ein einjähriges Stipendium in Rio de Janeiro, bei dem er nicht nur den Architekten Oskar Niemeyer kennenlernte, sondern auch Konzerte mit brasilianischen Musikern gab. 1959 verfasste der frisch gebackene Designabsolvent ein Buch über Ausstellungen und stieß abermals in neue Dimensionen vor. Eine weitere Facette seiner ungewöhnlichen Karriere begann 1962. Als leitender Innenarchitekt der Lufthansa war Klaus Franck sieben Jahre unter anderem für Stadtbüros und Flugzeugeinrichtungen zuständig. Dass er in dieser Zeit auch viel von der Welt kennenlernte, ist selbstverständlich. 1971 ging er - nach einem Intermezzo bei Vitra - zu Wilkhahn, einer Firma, die sich gerade abermals neu erfand, und die für „Ulmer“ Impulse offen war. Der nun fast 40-Jährige wurde Chef in der erst zwei Jahre zuvor gegründeten Designabteilung, eine Rolle, die überaus weit gefasst war. Franck verstand sich als Artdirector in der Manier eines Otl Aicher. Er entwickelte ein Farbsystem, führte die Schrift Frutiger ein und vertrat eine Auffassung von Produktdesign, bei dem man nicht etwa von der Formgebung ausging, sondern immer von der Analyse. Für den Erfolg des Allrounders spielte nicht zuletzt das gute Verhältnis zum Unternehmer und Designförderer Fritz Hahne eine entscheidende Rolle. Zwischendurch arbeitete er als Gastdozent, unter anderem auch - noch zu DDR-Zeiten - am Bauhaus. Anfangs hatte Franck bei Wilkhahn vor allem als Mittler zwischen dem Unternehmen und den externen Designern fungiert, die nahezu alle ehemalige Ulmer waren. Ende der 70er Jahre führte das kongeniale Verhältnis zu seinem Kollegen Werner Sauer zu dem wohl wichtigsten Wilkhahn-Produkt, dem FS-Drehstuhl. Es folgten die Gemeinschaftsentwürfe Basis, Cubis, Tubis, Thema und Modus, allesamt Hausnamen in der Branche und mit Preisen versehen. Klaus Franck, der 1985 Chef des Studios Wiege wurde und sich Anfang der 90er Jahre selbständig machte, ist einer der Protagonisten der bundesdeutschen Moderne, dessen unorthodoxer Berufsweg jedes Klischee Lügen straft. Jetzt, längst jenseits der Rentengrenze, arbeitet er zwar immer noch an eigenen Projekten, hat aber auch wieder Zeit für die Musik: als Perkussionist in einer Steelband.