Kitty Fischer
geb. 1908
Sie ist eine der jüngsten Studierenden und verkörpert den Typus der Tochter aus gut gestelltem und kunstzugewandtem Haus. Zudem arbeit sie wie Marguerite Friedlaender, Ludwig Hirschfeld-Mack, Naum Slutzky u.a. im Geist des Bauhauses nach dessen Ende im Ausland erfolgreich weiter. 1916 kehrt sie mit ihrer Familie von der Kolonialinsel Java nach Holland zurück. In den zwanziger Jahren unternimmt sie, die eigentlich Catharine Louise hieß und ihren Künstlernamen nach einer bekannten, häufig gemalten englischen Kurtisane des 18. Jahrhunderts wählt, Sprach- und Bildungsreisen in die Schweiz sowie nach England und in die USA. Schließlich studiert sie Kunstgeschichte in
London. 1929 kommt die Kosmopolitin 21-jährig ans späte von Hannes Meyer geleitete Bauhaus und studiert in der Weberei bei Gunta Stölzl. Ähnlich wie Anni Albers, Otti Berger u.a. entwirft sie abstrakte Muster in teilweise komplexen
Farb- und Rechteckvariationen. In der Werkstatt experimentiert sie auch mit synthetischen Fasern wie Kunstseide oder Cellophan, wofür sie 1933 auf der Mailänder Triennale ausgezeichnet wird. Bereits 1931 legt sie ihre Gesellinnenprüfung und ein Jahr später das Bauhaus-Diplom ab. Bald darauf siedelt sie in die Niederlande über, wo sie mit ihrem späteren Ehemann Hermann Fischer eine Weberei gründet. In der Folgezeit ist sie unter anderem auf Weltausstellungen sehr erfolgreich und erhält seit den späten dreißiger Jahren regelmäßig Aufträge des niederländischen Königshauses.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

