Sofa Rio, Entwurf Jan Armgardt, Hersteller Wittmann

Jan Armgardt

Innenarchitekt und Möbeldesigner, Schöndorf am Ammersee / Bayern

 

Die Wohnung ist für ihn der Ort, an dem wir uns „der Hektik der Zeit entziehen können“. Geborgenheit und Selbstbestimmung sind Ankerbegriffe seines Gestaltungskonzepts. Kurz, ein Möbel muss „eine Seele haben“. Derjenige, den eine solch scheinbar altmodische Diktion nicht schreckt und damit dem Gemüt, jener nicht übersetzbaren Seeleninstanz, Tribut zollt, ist einer der Meistbeschäftigten seiner Zunft. Doch obwohl Jan Armgardt unzweifelhaft auch zu den Produktivsten zählt, ist sein Werk wie auch sein Name nur Branchenkennern geläufig. Dabei gehören internationale Möbelfirmen ebenso zu seinen Kunden wie zahlreiche namhafte deutsche Hersteller, darunter Egoform, Müller Möbelwerkstätten, Nils Holger Moormann, Seefelder und WK Wohnen. Der gelernte Tischler gilt als traditionell und unkonventionell zugleich. Tatsächlich gehört er zu den wenigen, die sich neben den Serienprodukten auch immer wieder mit frei gestalteten Einzelmöbeln beschäftigt haben. Beachtung fand der Umweltbewusste mit seinem Geflechtmöbel-Projekt sowie mit Papiermöbeln, einem Thema, das er – 40 Jahre nach Peter Raacke – ebenfalls experimentell auslotete. Recht unorthodox verlief auch die Karriere des Wahl-Bayern, der zwischenzeitlich als Fotograf arbeitete. Dem Studium der Innenarchitektur und Erfahrungen in Schlossereien, Polstereien und Einrichtungshäusern folgte 1970 der erste Möbelentwurf: die Schaumstoffblöcke Quadrat. In der Folgezeit gründete Armgardt verschiedene Möbelfirmen, bis er sich schließlich als Designer selbständig machte. Seitdem hat er kaum eine Möbelgattung ausgelassen. Entwürfen in einer ruhigen, vertrauten Formensprache wie bei den Polstermöbeln Rio und Jolly (2003 und 2006 für Wittmann) steht höchst Expressives gegenüber, wie etwa der Sessel Gänsefüßchen (1991 für Proseda), einer Verspieltheit auf Kufen. Auch die Regale Vision Street (1991 für WK) und 1453 (2000 für Nils Holger Moormann) weichen in ihrer irritierenden Unregelmäßigkeit deutlich vom Gewohnten ab. Die Qualität vieler seiner Entwürfe erweist sich bereits dadurch, dass sie teilweise über Jahrzehnte in Produktion bleiben. Ein solcher Dauerläufer ist der Faltsessel Tattomi (1985 für Mobilia). Armgardt hat bereits früh - und dies nicht nur bei etlichen Sofabetten - intelligente mechanische Elemente verwendet. Sein Oeuvre ist so divergent wie das Möbeldesign.