Hermann Gretsch

Architekt und Produktdesigner, geb. 1895, gest. 1950

 

Er gehört er zur Generation von Marianne Brandt und Erich Dieckmann, die die Reformzeit, die Jugendbewegung und das Aufkommen der modernen Kunst bewusst erlebt. Er ist neben Hedwig Bollhagen, Egon Eiermann und weiteren
ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit außerhalb des Bauhauses und damit ein prominentes Beispiel dafür, wie sich die moderne Bewegung in ganz Deutschland etablierte – selbst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Im Ersten Weltkrieg dient er als Soldat. Danach studiert er an der Technischen Hochschule in Stuttgart Architektur bei Paul Bonatz (bis 1922) und besteht 1923 seine Gesellenprüfung als Keramiker an der Stuttgarter  Kunstgewerbeschule. An der Werkbundausstellung am Stuttgarter Weißenhof ist er ebenfalls beteiligt. 1928 verfasst er eine Dissertation über süddeutsche Fayence-Fabriken, erhält zwei Jahre später eine leitende Position im Landesgewerbeamt Stuttgart und später auch im Bund deutscher Entwerfer. 1930 wird er künstlerischer Leiter der Porzellanfabrik Arzberg und bleibt dies bis zu seinem Tod. 1931 entwirft er sein erfolgreichstes Produkt, das Kaffee- und Tafel-Service 1382, das – nahezu zeitgleich mit ähnlich konsequenten Entwürfen wie Marguerite Friedlaenders Hallescher Form und Trude Petris Urbino – als Musterbeispiel für klare Form gilt und bis heute produziert wird. Der so Erfolgreiche leitet ab 1935 als Mitglied der NSDAP (seit 1934) den Deutschen Werkbund, den er drei Jahre später auflöst.Während der NS-Zeit bekleidet er zahlreiche Ämter und stattet u.a. die Schulungsburgen der Deutschen Arbeitsfront aus. Das umfassende, auf fünf Bände angelegte Werk Hausrat, der zu uns passt. Ein Wegweiser für alle, die sich zeitgemäß einrichten wollen, wird von ihm ab 1940 herausgegeben. Nach dem Krieg arbeitet er weiter für Arzberg und andere Firmen, wie z.B. den Besteckhersteller Pott.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009