Herbert Ohl
Möbeldesigner, Darmstadt / Hessen
Er gehört zu jenen Designern der Kriegskindergeneration, denen – wie etwa auch Hans Theo Baumann oder Otto Zapf – dafür zu danken ist, dass die zweite Moderne in der jungen prosperierenden Bundesrepublik Fuß fasste. Nach dem Studium der Architektur – unter anderem bei Egon Eiermann – machte er sich Mitte der 50er Jahre selbstständig und lebte bis Ende der 60er Jahre in Ulm. Bereits früh fiel der Aktive durch seine ungewöhnliche Kreativität und analytische Schärfe auf und entwickelte so ausgefallene Konzepte wie etwa das »Kugelkino«. Deshalb war es auch nicht überraschend, als er 1966 zum Rektor der Hochschule für Gestaltung in Ulm berufen wurde, deren Schließung er dann erleben musste. Ohl war neben Richard Sapper der erste deutsche Designer mit festem Standbein in Italien. Mit seinem etwas bekannteren Kollegen hat er im Übrigen noch weitere Gemeinsamkeiten, wie etwa die unbedingte Sachlichkeit, den Drang, ständig Grenzen zu überschreiten, sowie die Tatsache, dass er nie kopierte, aber ständig kopiert wurde. Einige Jahre arbeitete Ohl für den Automobilhersteller Fiat. Eines seiner Hauptgebiete neben Fahrzeugen und Bausystemen waren Möbel. Zu seinen italienischen Auftraggebern gehörten Firmen wie Arflex, Fantoni und Matteograssi. Für Fantoni entstanden unter anderem der intelligente Arbeitstisch Evolution 2 und das grifflose Schranksystem 24 Grad, dessen Scharnier eines seiner Wunderwerke war. Wichtige Entwürfe, die in Deutschland auf den Markt kamen, sind Multipli (für WK Wohnen), ein ebenso umfassendes wie variables Schranksystem, sowie die Stühle Swing (für Rosenthal) und Circo. Bezeichnend für den unbeirrten Pionier sind die Netzstuhlkollektion O-Line (für Arflex, und Nuvola als Weiterentwicklung für Wilkhahn) sowie ein Drahtstuhl, den er wider alle Lehrbuchweisheit mit einem Odenwälder Schlossermeister in seiner Garage zur Serienreife brachte. Der Weltbürger Ohl war nie eingleisig. So entwickelte er in seiner Zeit als Dozent in Chicago einen »World Peace Tower«, der im berühmten Athenaeum ausgestellt wurde.


