Stiftablage für Velten Vordamm. Entwurf Hedwig Bollhagen.

Hedwig Bollhagen

Keramikerin und Unternehmerin, geb. 1907, gest. 2001

 

Selbst Walter Ulbricht, der erste Mann im DDR-Staat, fühlte sich bemüßigt, den kulturpolitischen Zeigefinger zu heben. Bollhagens Mokkaservice 558 war – weil schwarz und zylindrisch – nach realsozialistischer Lesart zu »formalistisch« und »kosmopolitisch«. Schlimmer konnte das ideologische Verdikt kaum ausfallen. Der Beliebtheit des Service tat das ebenso wenig Abbruch wie dem Ruf von Hedwig Bollhagen, die damals längst als eine der führenden Keramikerinnen Deutschlands galt. Als 18-jährige lernte sie ihr Handwerk auf einer Fachschule im Westerwald und arbeitete in den folgenden »Wanderjahren « in verschiedenen Betrieben, darunter Ende der 20er
Jahre die Steingutfabrik Velten. Deren Besitzer war Neuem aufgeschlossen und holte auch Bauhaus-Keramiker in sein Unternehmen, was die junge Bollhagen wiederum stark beeinflusste. 1934 gründete sie ihre eigene Manufaktur in Marwitz bei Berlin. Von Anfang an stellte HB, wie ihre Fangemeinde sie nennt, schlichte Gebrauchskeramik in Serienfertigung her. Die Wahl-Brandenburgerin bevorzugte einfache Formen, Streifendekore – am liebsten Blau-Weiß, aber auch Schwarz-Grün – oder geometrische Muster. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte Bollhagen raffinierte Techniken, auch kompliziertere Dekore mit einfachen Mitteln auf die Gefäße zu bringen. Ausgangspunkt sind häufig schwarze Streifen, die auf einer kleinen Drehscheibe geritzt oder verzogen und in einer andersfarbigen Lasur übermalt werden. Zwar ließ sie auch Ware in nacktem Weiß produzieren,
doch war die Zahl der Abnehmer für solchen Purismus begrenzt. Ihre Arbeit als Kunst anzusehen hat sie sich mit lapidaren Äußerungen wie »Das sind doch bloß Töppe« stets verbeten. Bollhagen hat ihren Betrieb in der DDR eine Weile als private Besitzerin leiten können, bevor er Anfang der 70er Jahre verstaatlicht wurde. Sie blieb Sie  allerdings künstlerische Leiterin. Nach der Wiedervereinigung erhielt sie ihr Werk zurück, wurde mit 85 Jahren noch einmal nahezu ein Jahrzehnt lang Unternehmerin. Ihre Nachfolgerin wurde Heidi Manthey, eine Schülerin von Charles Crode, mit dem Hedwig Bollhagen seit der Zeit der Firmengründung zusammengearbeitet hatte.