Hans Theo Baumann
Künstler, Möbel- und Produktdesigner, Schopfheim / Baden-Württemberg
„Das Wesentliche an einer Gestalt“, schrieb er einmal, „entspringt nicht aus Formeln, es ist allein Ergebnis menschlicher Fähigkeit“ und schlug sich damit im ewigen Disput zwischen Industrie und Kunst auf die Seite Henry van de Veldes. Für Hans Theo Baumann war der kreative Prozess das Entscheidende der Gestaltung. Sein Ziel bestand nicht etwa in der Geometrisierung der Welt, sondern viel mehr in einer Humanisierung der Technik. Gleich einer seiner frühen Möbelentwürfe, ein organisch geformter Plexiglasstuhl, war eine Weltneuheit und der erste Stuhl, den Vitra – damals noch Fehlbaum - produzierte. Der Mitbegründer des Verbandes Deutscher Industrie-Designer gehört, neben Zeitgenossen wie Egon Eiermann, Hans Gugelot und Herbert Hirche zu jenen Persönlichkeiten, die das deutsche Nachkriegsdesign prägten und so eine zweite, bundesdeutsche Moderne begründeten. Zur Initialzündung wurde die Begegnung mit dem Architekten Eiermann, der für den jungen Kollegen Kontakte herstellte. Bekannt wurde er u. a. mit wegweisenden Arbeiten für den Porzellanhersteller Rosenthal, darunter das zylindrische Service Berlin (1957), dem er im Jahrzehnt danach ein formal vollendetes Besteck gleichen Namens folgen ließ. Mit seinen minimalistischen Trinkgläsern (für Gral-Glas) und Leuchten (für Vitra) ging er ebenso neue Wege wie mit seinen Servicen aus Kunststoff und Metall. Baumanns erstaunliche Produktivität fußt auf einem subjektiven, jedoch expliziten Begriff von Schönheit, der die strenge Gebrauchsorientierung ergänzt. Der gebürtige Schweizer, der Bildhauerei in Basel studiert hatte, führte ein Doppelleben als Künstler und Produktgestalter. Entsprechend divergent waren die Resultate: Weiche und eckige Formen wechseln sich ab. In seinem Produktdesign, ob organisch oder linear, ist er jedoch durchgängig einer radikalen Schlichtheit verpflichtet, wie z. B. bei den erfolgreichen Systemgeschirren. Ab Mitte der 50er Jahre entwickelte der so überaus Schöpferische u. a. eine Serie von Bürostühlen (für Sedus Stoll), praktische Klappstühle (für Wilde + Spieth) und kantige Sessel (für Walter Knoll), bei denen Quadrat und Dreieck miteinander kommunizieren. All diese Entwürfe wirkten ungemein avantgardistisch, dies jedoch auf eine angenehm unangestrengte Weise.


