Hans Gugelot
Produkt- und Möbeldesigner, geb. 1920, gest. 1965
Als Schöpfer der Radio-Plattenspieler-Kombination SK 4 (Braun 1956), des so genannten »Schneewittchensargs«, leitete er Mitte der 50er Jahre nicht nur eine neue Ära in der Phonobranche ein, er verschaffte damit der kühlen, technischen Ästhetik Zugang ins Wohnzimmer, eine Zäsur wie die Einführung der Stahlrohrmöbel in den 20er Jahren. Berühmt wurde Hans Gugelot durch seine Beziehung zur Firma Braun, deren Sortiment der pragmatische Vordenker in den 50er Jahren revolutionierte. Damals war der in der Schweiz aufgewachsene Holländer Gugelot Dozent für Produktgestaltung an der so einflussreichen Hochschule für Gestaltung in Ulm. Aus seiner Abteilung stammte auch das Konzept der Phono-»Bausteine«, aus dem schließlich die moderne Hifi-Anlage hervorging. Ebenso wegweisend, jedoch weniger bekannt sind seine Möbel.
Das Denken im Systemverbund, mit dem er an die »Typenmöbel« der klassischen Moderne anknüpfte (siehe z.B. Marcel Breuer und Deutsche Werkstätten) und das so nahtlos zur Ulmer Schule passte, hatte er bereits in der Schweiz, insbesondere bei dem nach striktem Raster konstruierten Schranksystem M 125, verwirklicht – dem Archetypus aller variablen Schrankwände, einer Paradedisziplin des deutschen Möbeldesigns. 1957 auf der Interbau-Ausstellung in Berlin fanden sowohl der SK 4 wie auch das auf Tische, Schreibtische und Betten ausgeweitete System internationale Beachtung. M 125 wurde von der Firma Bofinger realisiert, die später auch eine altschrankwand und einen zerlegbaren Sessel (heute bei Habit) von Gugelot produzierte. Neben zahlreichen innovativen Produkten wie z. B. dem Getränkekasten aus Kunststoff entsprang auch der programmatische Ulmer Hocker seinem Genius. Außerdem entwarf er Betten und Kindermöbel. Im Denken des Noch-nicht-Gedachten sah der schöpferische Geist die entscheidende, aber dabei nicht lehrbare Phase der Gestaltung. Obwohl offenbar kein begnadeter Lehrer, lebten seine Ideen in seinen Schülern weiter, darunter wichtige Designer der nächsten Generation wie Rido Busse, Hans »Nick« Roericht und Reinhold Weiss.





