Erich Brendel

Tischler und Architekt, geb. 1898, gest. 1987

 

Er war,wie auch Hinrich Bredendieck und Christian Dell, einer der wenigen Handwerker, die sich am Bauhaus mit eigenen Entwürfen durchsetzten. Über seine Jugend ist wenig bekannt, doch allein die Tatsache, dass er ans Bauhaus ging, zeigt bereits, dass er reformerisch interessiert war. Er gehört zur Generation von Marcel Breuer und Ferdinand Kramer, für die dies durchaus typisch ist. Wie diese macht er schließlich als Architekt Karriere. Er schließt die Mittelschule ab und ist drei Jahre Soldat im Ersten Weltkrieg. Anschließend macht er eine Tischlerlehre. Er gehört wie u.a. Marguerite Friedlaender, Otto Lindig und Gunta Stölzl zu den ersten Studenten, die die experimentelle Phase miterleben. Er besucht eine Einführung bei Gerhard Marcks und verdingt sich als Lehrling bei einer privaten Weimarer Tischlerei, da es eine solche Werkstatt am Bauhaus anfangs noch nicht gibt. Im Sommersemester 1920 belegt er den Werkstattkurs bei Johannes Itten und macht ein Jahr später seine Gesellenprüfung. Danach lässt er sich beurlauben und wird anschließend als Geselle in der Tischlerei angestellt. Ab Sommersemester 1923 wird er Werkstattleiter, später Verwaltungssekretär. 1924 entwirft er Tisch und Stühle für das Konferenzzimmer der Fagus-Werke. Ein Jahr später entsteht sein Mehrfachklapptisch. Den Umzug nach Dessau macht er nicht mit, sondern arbeitet als freier Architekt ohne Studium zuerst in Frankfurt am Main, und zwischenzeitlich in Bremen. Schließlich holt ihn der Ex-Bauhäusler und nun fürBauberatung zuständige Adolf Meyer in den Stab des Neuen Frankfurt. Ab 1928 arbeitet er als Architekt bei der Hanauischen Heimstätte (bis 1938) und wird dort 1939 Bauleiter (bis 1942). Danach arbeitet er in der Bauverwaltung imbesetzten Lothringen (bis 1944). 1945 lässt er sich als Architekt in Frankfurt am Main nieder, wird ins Stadtplanungsamt übernommen, schließlich Dozent an der dortigen Staatbauschule und Oberbaurat.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009