Egon Eiermann
Architekt und Möbeldesigner, geb. 1904, gest. 1970
Der Architekt Egon Eiermann, der unter anderem den Neubau der Gedächtniskirche in Berlin und das Bonner Abgeordnetenhochhaus zur Nachkriegsmoderne beisteuerte, bevorzugte umfassende Lösungen. Die Möbelentwürfe des Perfektionisten sind zumeist im Kontext seiner Bauwerke entstanden. Nicht nur hierin war er seinem Zeitgenossen, dem Dänen Arne Jacobsen, ähnlich. Allerdings entdeckte Eiermann das Sperrholz, das bereits vorher von Gestaltern wie Josef Albers oder Alvar Aalto verwendet wurde, ein wenig früher. Es sollte eine Revolution im Stuhldesign auslösen, an der Eiermann mehr Anteil hatte, als sein heutiger Bekanntheitsgrad vermuten ließe. Unmittelbar nach der dem Zusammenbruch folgenden Aufbruchsära um 1950 entstand ein Großteil seiner Sperrholzsitzmöbel, die später im Wirtschaftswunderdeutschland zum Bestandteil des öffentlichen Raumes wurden, darunter die Modelle SE 41,E 42, SE 68 und SE 18 (alle Wilde + Spieth). Das moderne, unsentimentale Inventar stellte einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Identitätsfindung der jungen Demokratie dar, die sich dadurch von der vorangegangenen NS-Diktatur ästhetisch abgrenzen konnte.



