Dieter Rams
Möbel- und Produktdesigner, Kronberg / Hessen
Spricht man irgendwo auf der Welt über deutsches Design in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts, fällt früher oder später sein Name. Begonnen hatte sein Berufsweg Mitte der 50er Jahre, als der erst 23-Jährige bei der Firma Braun angestellt wurde, deren revolutionäres Gestaltungskonzept er neben Hans Gugelot, Herbert Hirche und anderen wesentlich mit prägte, nicht zuletzt als Leiter der Designabteilung, eine Position, die er ab 1961 über drei Jahrzehnte lang inne hatte. Gestaltungsprinzipien, die direkt von der Ulmer Schule, indirekt aber auch vom Bauhaus kamen, wurden auf eine neue Produktgeneration übertragen, was sich schon an der Dominanz des Kubus zeigte. Die Ablösung des Radios durch die modulare Stereoanlage – erstmals verwirklicht beim Modell Studio 2 – in Verbindung mit einem radikal schlichten Äußeren, das nicht zuletzt auf Otl Aicher zurückging, ließ die Braun-Geräte zu Archetypen werden, deren Vorbildfunktion über Jahrzehnte anhielt. Allein das Eindringen des unverhüllt Technischen in die Wohnwelt war eine Premiere. Die wohl geordneten und farblich gegliederten Bedienungsknöpfe auf den Fronten der von Rams gestalteten Hifi-Verstärker wurden zu starken Symbolen und Statussymbolen. Für diese Apparate lieferte er, wie im Übrigen auch Gugelot und Hirche, zugleich die passenden Möbel mit. Aus einer über viele Jahre währenden Zusammenarbeit mit der Firma Zapf / Vitsoe (später Vitsoe), die sich auf moderne Montagemöbel spezialisierte, gingen Entwürfe wie das Wandregal RZ 60 hervor. Dieses war der Vorläufer des Modells 606, einem Klassiker der Systematik (heute sdr+). Raster und Addition wurden auf verschiedenste Möbeltypen übertragen, seien es Kleinmöbel wie die Stapelhocker 740 und die Satztische 010 oder aufwändigere Systeme wie das Containerprogramm 980. Auch der Sessel RZ 62 beruht auf einem ausgeklügelten System. Alle Elemente wie Seiten- oder Rückenlehnen sind leicht lösbar miteinander verbunden, lassen sich also austauschen. Es folgten mobile Stühle, Sessel, Tische, Garderoben und Regale auf Rollen, die sich, wie die Braun-Geräte, stets neutral verhalten. Dieter Rams ist die Inkarnation des späten Funktionalismus in seiner geradlinigen, häufig als deutsch angesehenen Variante, gegen dessen Primat die nächste Generation rebellierte. Er selbst sieht in der von ihm eingeforderten Disziplin legitime Mittel gegen die zunehmende Verschwendung und den visuellen Verschleiß.


