Christian Dell
Silberschmied und Designer, geb. 1893, gest. 1974
Er gehört zur Generation von Marianne Brandt und Erich Dieckmann, die die Stilwende um1900 bewusst miterlebten und bei Kriegsbeginn etwa 20 Jahre alt sind. Er ist Handwerker, wie Hinrich Bredendieck und Erich Brendel, und entwickelt sich zu einem frühen, außerordentlich erfolgreichen, wenn auch weitgehend anonymgebliebenen Industriedesigner, allerdings nach seiner Bauhaus-Zeit. 1907 beginnt der 14-jährige eine Lehre als Silberschmied in Hanau und besucht nebenbei die örtliche Zeichenschule. 1912 geht er an die von Henry van der Velde geleitete Kunstgewerbeschule in Weimar, aus der das Bauhaus hervorgeht. 1913 wird er Soldat und nimmt, wie Dieckmann, Gerhard Marcks und etliche andere Bauhäusler, am ErstenWeltkrieg teil. Anschließend ist er in mehreren Silberschmiedewerkstätten tätig. 1922 kehrt er nach Weimar zurück, wird Werkmeister in der Metallwerkstatt am Bauhaus, deren Studenten „Lehrlinge“ genannt werden und eine Gesellenprüfung als Silberschmied absolvieren müssen. Dell arbeitet bis 1925 unter den künstlerischen Leitern Johannes Itten und László Moholy-Nagy und bildet selber unter anderen Brandt, Gyula Pap, Hans Przyrembel und Wilhelm Wagenfeld aus. Er gehört somit zu einem der kreativsten Teams, das innerhalb des Bauhauses je bestand, und dessen Arbeit vor allem unter Moholy-Nagy trotz recht provisorischer Bedingungen dasmoderne Lampendesign entscheidend prägt, sogar revolutioniert. Nach Auflösungdes Bauhauses in Weimar, geht er nicht nach Dessau, bleibt aber auch nicht wie etwa Erich Dieckmann, Wagenfeld u.a. in Weimar, sondern geht mit Adolf Meyer ins Neue Frankfurt, dem anderen großen Experiment der modernen Bewegung in Deutschland. In der dortigen Städel-Kunstschule übernimmt er die Leitung der Metallwerkstatt. Hier entwickelt er mit Meyer modular konstruierte Lampen, die anfangs von der Firma Rondella und schließlich unter der Marke idell von der Firma Kaiser erfolgreich vermarktet werden. Sie entwickelt sich zu einem der umfangreichsten und langlebigsten Lampenprogramme überhaupt, deren designgeschichtliche Bedeutung allerdings lange verkannt wird. 1933 wird Dell als Vertreter der linken Avantgarde von den Nationalsozialisten entlassen. Obwohl ihm Walter Gropius eine Emigration in die USA anbietet, bleibt er in Deutschland. Er lebt zeitweise in Westfalen und im Harz.Von 1939 bis 1955 führt er ein Juweliergeschäft in Wiesbaden, wo er auch 1974 stirbt.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

