Andreas Brandolini
Architekt, Künstler und Möbeldesigner, Saarbrücken / Saarland
Drei Jahrzehnte prägten ihn: die 50er Jahre, in denen seine Kindheit und die der Bundesrepublik zusammenfielen, die 70er Jahre, als ihm im Architekturstudium der Funktionalismus eingebläut wurde, und die 80er Jahre, als der deutsche Design-Underground aufblühte, zu dessen Berliner Variante Andreas Brandolini Entscheidendes beisteuerte. Aus dieser Zeit – er wurde zu einer der Leitfiguren des „Neuen deutschen Designs“ – stammt sein Hang zum Experimentellen. Bekannt geworden ist der Avantgardist durch seinen Beitrag für die documenta 8, der ersten Kunstschau mit Designschwerpunkt. Brandolini zeigte dort ein „Deutsches Wohnzimmer“, eine Institution, der er ironisch zu Leibe rückte: etwa mit einer Couchgarnitur gruppiert um einen wurstförmigen Tisch, unter dem ein Feuer loderte - eine Persiflage des kleinbürgerlichen Wohnidylls. Hier fungieren Objekte als „Bedeutungsträger“, ein Verfahren mit künstlerischen und zeitkritischen Momenten, dem Brandoloni sich intensiv widmete. Ein Tisch mit Beinen aus Metallprofil, die dort, wo sie den Boden berühren, in einer Spitze zulaufen, ein Stuhl, der im fragilsten Abschnitt seiner Beine einen Knick aufweist, eine Bücherleiter, die auch als Zeitungskorb funktioniert. Solche Entwürfe, wenn auch zumeist einfach aufgebaut, weisen irritierende Aspekte auf; beispielsweise Verfremdungen, wie wir sie etwa auch von Stefan Wewerka kennen. Für die Serie kamen solche, die Funktionalität hinterfragenden Sinnkonstrukte, in der Regel kaum in Frage. Als Gegenprogramm gründete Brandolini bereits in den 80er Jahren das Projekt Utilism Collective (kollektive Nützlichkeit). Mit im Boot waren Axel Kufus und Jasper Morrison, zwei Protagonisten des praktischen Minimalismus. Seit zwei Jahrzehnten hat der Ex-Rebell in Saarbrücken eine Professur für Design, arbeitet darüber hinaus als Architekt und Ausstellungsmacher sowie als internationales Sprachrohr für das etwas andere deutsche Design. Nun hat er eine Möbelgruppe vorgelegt, bei der die Formensprache ebenso fundamental einfach erscheint wie das Inventar: Bett, Stuhl, Tisch und Bank in Massivholz (für a.g.mandelbach). Das für ein Schullandheim entworfene, ökologisch einwandfreie Mobiliar erinnert stark an den „bäuerlichen“ Heimatschutzstil des frühen 20. Jahrhunderts.


