Alma Buscher
Künstlerin, Möbel- und Produktdesignerin, geb. 1899, gest. 1944
Als das Bauhaus in Weimar 1923 das Musterhaus „Am Horn“ vorbereitete, sollte auch ein Kinderzimmer dazugehören. Mit dessen Konzeption und Ausstattung wurde die Studentin Alma Buscher beauftragt, in deren Werdegang sich der innere Zusammenhang zwischen der Reformbewegung vor dem Ersten Weltkrieg und dem Bauhaus direkt widerspiegelt. Nach Abitur und „Frauenschule“ begann sie 1917 ein 3-jähriges Studium an der Reimann-Kunstschule in Berlin, einem auf Reformpädagogik gegründeten Institut, das auch mit dem Deutschen Werkbund kooperierte. Dass Buscher nach einer weiteren 2-jährigen Ausbildung am Berliner Kunstgewerbemuseum dann 1922 abermals ein Studium am Bauhaus begann, ist nur mit dessen außerordentlicher Anziehungskraft zu erklären, für die die ohnehin leidenschaftlich Kunstinspirierte nur zu empfänglich war. Hier fand sie die Aufgabe ihres kurzen Lebens. Zwar hatte es im Rahmen der Werkstättenbewegung vereinzelt Kinderzimmer und Kindermöbel gegeben, u. a. von Josef Hoffmann, aber im Grunde handelte es sich bei Buschers Konzept um den ersten radikalen Versuch, gänzlich neue, kindgerechte Möbeltypen zu entwickeln. Ihre Wickelkommode, das als Stecksystem gedachte Kinderbett, der fahrbare Leiterstuhl und der Spielschrank schufen eine für kreatives Spielen „vorbereitete Umgebung“ im Sinne der Montessori-Schule. Es war ein Entwurf, der auch in seiner übergreifenden Stimmigkeit eine Innovation darstellte. Im Spielschrank, zu dem ein Regal, ein Kaspertheater, eine fahrbare Truhe und stapelbare Würfelkisten gehörten, war zudem die Idee des Typenmöbelprogramms, mit dem sich damals auch Marcel Breuer beschäftigte, bereits enthalten. Eine Grundidee bestand darin, dass alle Möbel beweglich sein sollten und selbst zum Bauen und Spielen verwendet werden konnten. Buscher entwickelte auch Spielzeug, darunter Bastelbögen, Bauklotzsysteme, ein abstraktes Puppentheater und sogenannte Wurfpuppen, auf die sie ein Patent anmeldete. Ihre Arbeiten gehörten zu den wenigen kommerziell verwerteten Produkten am Bauhaus, wenn der Ertrag auch letztlich bescheiden war. Nach ihrem Weggang vom Bauhaus wurden ihre Ideen dort nicht weiterverfolgt. Sie selbst konnte ihrer Arbeit, bedingt durch die wechselnden Engagements ihres Mannes, einem Tänzer und Schauspieler, nur mehr sporadisch nachgehen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam Alma Buscher bei einem Bombenangriff ums Leben.


