Besteck Comfort

WMF

Metallwaren- und Tischaccessoire-Hersteller, Geislingen / Baden-Württemberg

 

Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Unternehmen mit 6.000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber im deutschen Südwesten, eine Zahl, die von der heutigen gar nicht so fern liegt (5.300 im Jahr 2003). Eines der Erfolgsprodukte im Kaiserreich waren versilberte Bestecke, für die man ein patentiertes Verfahren besaß, aber auch künstlerisch erlebte das ungeheuer vielseitige Sortiment während des Jugendstils um 1900 seine erste Blüte. Ende der 20er Jahre sicherte man sich die Exklusivrechte auf V2-A-Stahl, besser bekannt als Cromargan, ein zur Produktion von Haus- und Küchengeräten gut geeignetes Material. Damit konnte das schwäbische Unternehmen als erster Hersteller strapazierfähige, rostfreie Edelstahlwaren zu günstigen Preisen anbieten. Nicht zuletzt weil es pflegeleicht und haltbar ist, hielten Töpfe, Schüsseln und Bestecke aus Cromargan Einzug in Deutschlands Küchenschränke. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte WMF mit seinem rostfreien Hausrat den erhofften Boom. Mit dieser Entwicklung ist der Name Wilhelm Wagenfeld eng verbunden. Der damals schon branchenbekannte Gestalter entwarf Produkte, in denen sich unbedingte Funktionalität mit dem flott geschwungenen 50er-Jahre-Stil verbanden, wie z. B. bei seinen Salzstreuern und Eierbechern, die stapelbar und aus nur einem Stück gefertigt waren. Das Besteck Form 3600 hatte dagegen eine klare, kantige Form und vor allem die ungewöhnlich kurze Messerklinge erregte damals Aufsehen. Nachdem die Marke zwischenzeitlich im Mainstream zu versinken drohte, besann man sich bei WMF in den 80er Jahren wieder auf den Wert originaler Gestaltung, die in postmodernen Zeiten nicht immer so untadelig funktional wie beim gestrengen Wagenfeld sein musste. Namhafte internationale Designer wie Matteo Thun und Dieter Sieger, aber auch der Modeschöpfer Pierre Cardin und der dänische Produktgestalter Ole Palsby, von dem allein sechs Bestecke stammen, haben zum Profil des renovierten WMF-Sortiments beigetragen. Es umfasst außer Gläsern auch Leuchter, Kellen, Kochtöpfe, Isolierkannen und Geschenkartikel sowie die sehr erfolgreichen Kaffeemaschinen. Vertrieben wird es - da hat man von Rosenthal gelernt - in eigenen zumeist in Innenstädten gelegenen Läden. Die Strategie des Autorendesigns wird dabei fortgesetzt, etwa durch die Baraccessoires Lounge von James Irvine und die Tischaccessoires Kult von Sebastian Bergne.