WK Wohnen
Möbelhersteller und Interessenverband, Dreieich / Hessen
Juristisch gesehen handelt es sich um einen Verein, praktisch ist es der älteste Hersteller deutscher Designmöbel. Das Mitgliedsbuch besitzen rund 130 Einrichtungshäuser, die das Sortiment der WK-Einrichtungen exklusiv vertreiben. Man steht mit etwa 50 Herstellern und ähnlich vielen Gestaltern in Kontakt. Für den Verband arbeitete und arbeitet die Creme der deutschen Möbeldesignerszene, darunter Thomas Althaus, Jan Armgardt, Siegfried Bensinger (der eine Weile als Artdirector fungierte), Egon Eiermann, Rolf Heide, Stefan Heiliger, Peter Maly, Wolfgang C.R. Mezger, Anita Schmidt, Burkhard Vogtherr und Herta Maria Witzemann, um nur einige zu nennen. Die aufklärerische Idee der „Wohnkunst“ – später „Wohnkultur“ – entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als der Deutsche Werkbund auch die Reformierung der Wohnumwelt betrieb. Eine Gruppe deutscher Einrichtungshäuser schloss sich zusammen, um nach dem Vorbild der Deutschen Werkstätten hochwertige Möbel in Serie herzustellen. Alleiniger Hersteller war anfangs die Firma Behr. In der Satzung hatte man sich ganz im Sinne des Deutschen Werkbunds auf „die Verbreitung des guten Geschmacks“ verpflichtet. In der Nach-Bauhaus-Zeit nahm man z. B. flexible Anbaumöbel ins Programm, die zu einem „Aufbauheim“ (von Paul Grießer) kombiniert werden konnten. Damit wurde WK zu einer frühen Agentur für Systemmöbel, einem Dauerthema im deutschen Möbeldesign, das u. a. von Georg Satink (1952 WK-Satink) und Peter Maly (1987 Muro) fortgesetzt wurde. Reagierte man auf die mageren Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung von schlichten Möbeln unter der Marke WK-Sozialwerk, nahm die Firma bald danach an der bundesdeutschen Neomoderne mit zweckmäßigen Entwürfen teil, die u. a. 1958 erfolgreich auf der Brüsseler Weltausstellung präsentiert wurden. Später entstand der Schaukelstuhl Nonna (1973 von Paul Tuttle), ein Hybrid aus Bugholz und Metall. Der sich streckende Sessel Spot (1989 von Stefan Heiliger) wurde zu einer Inkunabel der so formfreudigen Postmoderne. Als Meilensteine neueren Datums können Entwürfe wie das Sofa Ono oder der raffinierte Ausziehtisch 814 (von Dietmar Joester) angesehen werden. Dabei hat sich die Marke selten durch auffallenden Avantgardismus hervorgetan. Als einer der Vorteile gilt hier mehr denn je das abgestimmte Komplettangebot auf der Linie eines wohltemperierten Funktionalismus.


