Stuhl S 664

Thonet

Möbelhersteller, Frankenberg / Hessen

 

Bis heute ist die Geschichte des weltberühmten Unternehmens Thonet die eines Familienbetriebs, der aktuell im hessischen Frankenberg von der fünften Generation geführt wird. Die Geschichte begann mit dem rheinischen Tischlermeister Michael Thonet, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Holzbiegetechnik entwickelte, und daraufhin von Fürst Metternich nach Wien geholt wurde, wo er erstmals Möbel industriell produzierte. Seine Stühle waren leicht zerleg- und transportierbar und begründeten die moderne Massenproduktion auf diesem Gebiet. Vom berühmten Kaffeehausstuhl Nr. 14 wurden allein bis zum Zweiten Weltkrieg mehr als 30 Millionen Exemplare verkauft. Thonet war deshalb schon um 1900 zu einem multinationalen Unternehmen geworden. Industrielle Ästhetik und Minimalismus, auch bezogen auf den Materialeinsatz, kennzeichneten die ersten Stahlrohrstühle aus den 20er Jahren, eine Innovation aus Deutschland, die das Möbeldesign revolutionierte und mit dem Namen Thonet ebenfalls eng verbunden ist. Sowohl der S 43, der erste Freischwinger von Stam, der S 32 von Marcel Breuer wie auch der S 533 von Ludwig Mies van der Rohe werden bis heute produziert. Nach 1945, viele Fabriken waren zerstört, blieb ein Teil der Familie in Wien (heute Thonet Vienna), der andere setzte in der Bundesrepublik die Tradition fort. Stahlrohr und Holz blieben lange die dominanten Materialien. Jedes Jahrzehnt brachte seine Klassiker hervor, setzte man doch konsequent auf die Zusammenarbeit mit namhaften Designern: von Eddie Harlis, der in den 50ern den optimistischen S 664 entwarf, über den Popdesigner Verner Panton bis hin zu aktuellen Namen, darunter internationale Prominenz wie Norman Foster oder Alfredo Häberli, aber auch zahlreiche Deutsche wie Ulrich Böhme, Gerd Lange, Glen Oliver Löw, Peter Maly, Wolfgang C. R. Mezger und Wulf Schneider. Akzente setzte man mit dem technisch raffinierten Stuhl S 360 (Delphin Design, 2001), aber auch mit dem Polsterprogramm S 4000 (Jehs + Laub, 2001) und dem Sessel A 660 von James Irvine, der die Bugholztechnik zeitgemäß mit Aluminium und Netzgewebe realisierte.