Tisch M 61

Tecta

Möbelhersteller, Lauenförde / Niedersachsen

 

Als Axel Bruchhäuser Anfang der 70er Jahre aus der DDR in den Westen kam, suchte er Kontakt zu den Meistern des Funktionalismus, spürte den Holländer Mart Stam in der Schweiz auf, besuchte Marcel Breuer in New York und fand die Familie des Russen El Lissitzkys in sibirischer Verbannung. Damals erwarb er erste Lizenzen, den Grundstock des Tecta-Programms, zu dem in dieser Frühzeit auch der junge Peter Maly entscheidend beitrug. Bruchhäuser betätigte sich nicht nur als Archäologe der Moderne, sondern auch als deren Testamentsvollstrecker. Zahlreiche Entwürfe sind bei Tecta erstmals maschinell produziert worden, wie die Glasvitrine von Breuer und der Sessel F 51 von Walter Gropius. Bei Breuers praktischem Klappsessel wurden die von Grete Reichert entwickelten Gurte aus Eisengarn eigens rekonstruiert. Immer noch machen Bauhaus-Möbel einen beträchtlichen Teil des Umsatzes aus, darunter ein berühmtes Stahlrohrgestühl von Ludwig Mies van der Rohe, dessen Ur-Freischwinger von 1927 ebenfalls im Katalog steht (mit Naturrohrgeflecht von Lilly Reich), und Breuer, der auch Container und eine Fahrradliege entwarf. Daneben gibt es weniger prominente Bauhaus-Namen wie Erich Brendel, der 1924 das funktionalistische Mobiliar um einen Klapptisch und einen würfelförmigen, ebenfalls ausklappbaren Teetisch erweiterte. Zu einer gewissen Berühmtheit brachte es Peter Keler mit seiner Wiege Kandinsky (1922) und dem Sitzblock Kubus (1925). Längst sind weitere Facetten der klassischen Moderne hinzugekommen wie der Freischwinger D 5 von Sergius Rügenberg, einem Mitarbeiter von Mies van der Rohe. Zu den konstruktivistischen Pretiosen der Zwischenkriegszeit gehört ebenfalls der schwarzblaue Sperrholzsessel (1930) von Lissitzky. Von ihm hat man den Tisch des Ansagers wieder aufgelegt, dessen asymmetrische Platte bei Tecta-Tischen zu einem Leitthema wurde. Interessante Beiträge neueren Datums stammen von Stefan Wewerka und den Amerikanern Alison & Peter Smithson. Bruchhäuser und sein Team haben ebenfalls Entwürfe beigesteuert wie den Kragstuhl B 20. Hier geht der Avantgardismus des frühen 20. Jahrhunderts eine Liaison mit dem Heute ein.