Rosenthal
Porzellan- und Möbelhersteller, Selb / Bayern und Espelkamp / Nordrhein-Westfalen
1960 eröffnete in Nürnberg Rosenthals erstes Studiohaus. Das Prinzip gilt bis heute: Die erste Designladenkette der Welt verkauft, was eine Jury als gutes Design ausgewählt hat. Die Produkte der damals ebenfalls eingeführten Studiolinie sind allerdings nur hier zu haben. Rosenthal war weltweit die erste Firma, die Kontakt zu internationalen Designern suchte, ein Prinzip, das sich erst in den 80er Jahren durchsetzen sollte. Zugleich schmiedete man Allianzen mit anderen deutschen designorientierten Firmen wie Braun und Rasch. Der Bogen des Sortiments spannte sich von der Bauhaus-Moderne eines Walter Gropius über amerikanische, skandinavische und italienische Entwürfe bis zu Luigi Colani. Das fränkische Unternehmen war im späten 19. Jahrhundert entstanden und hatte bis zum Zweiten Weltkrieg stark expandiert. Noch vor dem Ersten Weltkrieg war eine „Kunstabteilung“ eingerichtet worden. Gestalterische Akzente setzte die Firma aber erst, als Junior Philip Rosenthal, ein Nonkonformist, Demokrat und Visionär, in den 50er Jahren das Heft in die Hand nahm. Das Service Form 2000 von 1954, das von dem US-Amerikaner Richard Latham stammte, war der Startschuss. Es folgte das Service Berlin von Theo Baumann im Stil der Nachkriegssachlichkeit. Mit der Zeit erweiterte der weltweit größte Anbieter hochwertiger Geschirre, der Ende der 90er Jahre von Wedgwood übernommen wurde, sein Angebot um Glas, Besteck und Möbel. Anfang der 70er Jahre hatte man ein Möbelwerk in Espelkamp erworben. Von Anfang an wurden namhafte Designer verpflichtet, wie z. B. Burkhard Vogtherr, der mit der Tisch-Sessel-Gruppe Hombre eine der frühen Kollektionen entwarf. Entsprechend der Studiolinie gab es bei Möbeln neben den Serien auch künstlerische Werke in geringer Auflage. So schuf der Nagel-Künstler Günther Uecker neben Reliefs Anfang der 80er Jahre auch den Möbelsolitär Lettera, ein Stehpult zur schnellen Ideenniederschrift. Heute arbeiten von den rund 2.000 Mitarbeitern der Rosenthal AG nur mehr 45 am Möbelstandort. Einer der Schwerpunkte sind Büromöbel wie das Konferenztischsystem Cetera (von Lepper Schmidt Sommerlade), dessen großer Vorteil die einzeln abnehmbaren Tischbeine sind. Hinter dem Konzept Controller Serial Network steckt die Vision, die gesamte Technik selbst umfangreichster Konferenztischanlagen vollständig zu integrieren und gleichzeitig die Flexibilität zu erhalten. Ein Einzelmöbel aus der Solitär-Kollektion ist Flying Carpet (von Simon Desanta), ein leichter federnder Sessel, dessen freie Form auch Sitzfreiheit bedeutet.


