Magazin
Einrichtungshaus und Möbelhersteller, Stuttgart / Baden-Württemberg
Anfang der rebellischen 70er Jahre wurden an der Kunstakademie Stuttgart experimentelle Lernformen ausprobiert und die Rolle des Designers in Frage gestellt. Reformerische Dozenten gründeten das „Institut für angewandte Sozialökologie“, das unter anderem die „Analyse und Weiterentwicklung der Gebrauchsfunktionen von Konsumgütern“ anstrebte. Um Erfahrungen im realen Kapitalismus zu sammeln und finanziell unabhängig zu werden, wurde ein Hinterhofladen eröffnet: das Magazin. Über die Akademie standen dessen Gründer, darunter der Designer und langjährige Geschäftsführer Otto Sudrow, in der Tradition der klassischen Moderne. Wie bei den Designkritikern des frühen 20. Jahrhunderts handelte es sich um ein aufklärerisches Projekt, durch das Vernunft in die Wohnung einziehen sollte, eine moderne Variante der „Lebensreform“. Das bis heute einmalige, aus politischer Ökonomie und „Kritik der Warenästhetik“ abgeleitete Konzept: Das Programm sollte aus vorgefundenen Investitionsgütern bestehen, weil sie „höchste Qualität bei niedrigstem Preis“ gewährleisten. Fündig wurde man auf den Industriemessen und in Katalogen: Das frühe Angebot bestand aus Arbeitsplatzleuchten, Laborporzellan, Gastronomiegläsern, Metzgermessern, Filternesselstoffen, Fabrikregalen, Briefträgertaschen und Blecheimern, die zu nützlichen Gebrauchsgütern umfunktioniert wurden. Auch eigene Produkte wurden hergestellt. Nachdem 1980 der erste Katalog auf grauem Recyclingpapier erschien, expandierte man rasant zu einem Einrichtungshaus mit deutlich erweitertem Angebot und bundesweiten Dependancen, von denen heute das Tandem Stuttgart-Bonn geblieben ist. Im Jahr 2001 eröffnete das Zusammengehen mit der Versandfirma Manufactum neue Perspektiven. Mittlerweile bietet Magazin ein umfassendes Sortiment für nahezu alle Wohnfunktionen, wobei im sachlichen Charakter aller Artikel und deren Vermittlung in erklärenden Texten die rationalistische Grundidee bis heute deutlich hervortritt. Die Zahl der eigenen Neuheiten, zu der bald eine Tischserie von Axel Kufus gehörte, stieg beständig. Heute gehören dazu so unterschiedliche Produkte wie das vielseitige Couchbett MDF (von Michael Mettler) oder die ziffernlose Magazin-Funkwanduhr. Der intellektuelle Hintergrund des Programms kommt wohl auch darin zum Ausdruck, dass man sich immer wieder dem Thema Regal widmet: Neuere innovative Beiträge zu diesem spannenden Kapitel sind das aus Transportkisten konstruierte Mein_Back (von Hannes Bäuerle, Claudia Miller und Alexander Seifried) sowie 1hoch3 (von Dominik Lutz), ein Stecksystem mit nur einem einzigen Bauteil.


