Kahla
Porzelanhersteller, Kahla / Thüringen
Die mitteldeutsche Marke, die den Kollaps der DDR überlebt hat, ist eine positive Ausnahme und zugleich exemplarisch für das atemberaubende Auf-und-Ab deutscher Wirtschaftsgeschichte. Gegründet in den Kindertagen der Industrie, mauserte sich das Unternehmen – nach Übernahme von Arzberg und Hutschenreuther - Ende der 20er Jahre zu Deutschlands größtem Porzellanhersteller, um sich schließlich als Staatsbetrieb hinter dem „Eisernen Vorhang“ wiederzufinden. Zum „volkseigenen“ Kombinat gehörten 17 Zweigwerke und 18.000 Beschäftigte. Nach einer gescheiterten Privatisierung Anfang der 90er Jahre brachte der Einstieg von Günther Raithel, einem Ex-Manager von Rosenthal, die positive Wende. Der Branchenkenner kombinierte technische Investitionen, die Straffung der Abläufe und ein einfallsreiches Marketing mit einer Vision: Durch eine designbewusste Produktentwicklung und ein geliftetes Erscheinungsbild, zu dem auch ein verändertes Logo beitrug, gelang der Neubeginn. Über die 50 Designauszeichnungen, die man in gut einem Jahrzehnt anhäufte, staunte selbst die Konkurrenz im Westen. Die Marke steht heute, neben Arzberg und Rosenthal, wieder für die große deutsche Tradition moderner Porzellangestaltung. Dafür haben vor allem die Hausdesignerinnen Cornelia Müller, Barbara Schmidt und Mirjami Rissanen gesorgt, die für die Formgebung der meisten Produkte verantwortlich zeichnen. Allein das von Schmidt gestaltete Geschirr Allround wurde mit mehreren Preisen bedacht. Kreis und Welle sind hier tragende Gestaltungselemente. Das weiße Haushalts- und Hotelporzellan ist, wie der Name sagt, ein variables und umfangreiches Programm. Ihr ebenfalls preisgekröntes Geschirr Update bestand dagegen anfangs nur aus wenigen Basisteilen, ist aber inzwischen ebenfalls gewachsen. Bei Elixyr, einem neueren Entwurf, gehen Symmetrie und Asymmetrie eine spannende Verbindung ein. Die Geschirre werden in puristischem Weiß, aber auch mit unterschiedlichem Dekor angeboten. Durchgängig sind Schlichtheit und Multifunktionalität, das heißt Teile wie Teller, Schüsseln und Untersetzer können auf unterschiedliche Weise benutzt und kombiniert werden, Prinzipien, wie sie am Bauhaus und in Ulm propagiert wurden. Auch Müllers Abra Cadabra kann sich derart verwandeln: vom Schälchen mit Deckel zum witzigen Untersetzer oder zur dekorativen Platte. Ein neue Idee stammt von der Finnin Rissanen: Eine zarte Pfauenfeder als durchgängiges Motiv schafft nun auch zwischen verschiedenen Porzellanserien eine ästhetische Verbindung.


