Kunststoff: Couch Odin mit Kunstharzkorpus und Polsterung aus Polyurethan und Polsterwatte, Hersteller Classicon, Entwurf Konstantin Grcic 2005

ClassiCon

Möbel- und Leuchtenhersteller, München / Bayern

 

Der Firmenname ist Programm. Die Produktpalette des deutschen Möbel- und Leuchtenherstellers Classicon bewegt sich zwischen dem gestalterischen Erbe des frühen 20. Jahrhunderts und aktueller Avantgarde. Hervorgegangen aus den Vereinigten Werkstätten in München, ist es dem Produzenten in den 90er Jahren gelungen, ein ausgeprägtes Profil zu entwickeln, das gerade aus dem Dialog zwischen „Reeditionen“ der klassischen Moderne und zeitgenössischen Entwürfen seine Spannung bezieht. Eine zentrale Rolle im Bereich der Reeditionen spielt eine der wenigen Frauen im Designolymp, die Irin Eileen Gray. Zahlreiche bekannte Entwürfe der Wahlpariserin werden nun in Deutschland produziert und weltweit vertrieben. Ebenfalls gepflegt wird das Werk des US-Amerikaners Norman Cherner, der wichtige Beiträge zum Möbeldesign der 50er Jahre lieferte. Dieser historische Schwerpunkt wird ergänzt durch einige Entwürfe von Otto Blümel, dem ehemaligen Leiter der Zeichenschule der Vereinigten Werkstätten sowie durch Objekte, die Eckart Muthesius für den Palast des Maharadschas in Indore entwarf. Für dieses exotische Projekt entstanden einige der reizvollsten Objekte der 30er Jahre, geprägt vom aristokratischen Geschmack des Bauherren, der zugleich klare Konturen schätzte. In der zeitgenössischen Abteilung schlägt die Stahlrohr-Gartenmöbelserie Dia der Ex-Münchnerin Gioia Meller Marcovicz selbst die Brücke zur klassischen Moderne. Vom Münchner Christoph Böninger stammen der Falttisch Sax und das Regal Acca. Eines der neueren Möbel ist der Sessel Satyr, ein Entwurf des österreichischen Studios ForUse, in dem Retro- und Gegenwartsästhetik miteinander verschmelzen. Nicht zuletzt die langjährige Zusammenarbeit mit Konstantin Grcic, ebenfalls ein Münchner, gibt dem Programm von Classicon seine Relevanz in der Gegenwart. So zeigt etwa dessen geometrisch verkantete Polstermöbelserie Chaos, die in der Contempora genannten Kollektion zeitgenössischer Designer herausragt, den Mut ihres Designers, aber auch den des Herstellers. Jenseits des Gefälligen zeigen die von Zweckmäßigkeit und eher nüchternen Formen geprägten Produkte, die man mit Designern wie Herbert H. Schultes oder dem Schweizer Studio N2 realisierte, eine ambitionierte unternehmerische Position. Dadurch wurde Classicon zu einer der bedeutendsten designorientierten Marken in Deutschland.