Arzberg
Porzellanhersteller, Schirnding / Bayern
Nachdem es die Firma fast schon ein halbes Jahrhundert gab, machte sie erstmals von sich reden, und zwar durch etwas gänzlich Unauffälliges: das Geschirr 1382, das nichts Aufregendes an sich hatte und doch ein Wendepunkt in der Firmengeschichte war und in seinem dekorfreien Weiß auch ein Meilenstein des Wohndesigns. Dieses von Hermann Gretsch entworfene Tee-, Kaffee- und Tafelservice entstand 1931 auf dem Höhepunkt der „Neuen Sachlichkeit“ und wurde seitdem ohne Unterbrechung produziert. Gretsch, Architekt und Werkbund-Vorsitzender, hat für Arzberg sechs weitere Services entworfen, ohne sich selbst zu übertreffen. Nach seinem Tod übernahm Anfang der 50er Jahre Heinrich Löffelhardt die künstlerische Leitung. Löffelhardt, ein Freund Wilhelm Wagenfelds und wie dieser ein Streiter für die „gute Form“, bestimmte bis 1971 mit 13 Kaffee- und Teeservices das Sortiment. Von diesen Ikonen des westdeutschen „Wirtschaftswunders“ wurde das Modell 2075 zum Bestseller. Form 2000, wie Gretschs 1382 auf der Mailänder Triennale mit Gold bedacht, erreichte eine vergleichbar nachhaltige formale Qualität und avancierte als Standardservice der bundesdeutschen Botschaften zu einem Vorzeigeprodukt der jungen Republik. In den 70er Jahren wurde auch Arzberg von der Krise der Porzellanindustrie erfasst. Es folgten mehrere Besitzerwechsel, bis die Firma im Jahr 2000 Teil des SKV-Gruppe wurde, einem Zusammenschluss mittelständischer deutscher Porzellanhersteller, in dem sie als bekannte Designmarke eine herausgehobene Stellung einnimmt. Arzberg gehört heute neben Herstellern wie Kahla und Rosenthal sowie den Manufakturen KPM und Nymphenburg zu den Hausnamen der deutschen Porzellan-Moderne. Die Politik der zeitgemäßen Formgebung wurde fortgesetzt, seit den 70er Jahren im Zusammenspiel mit externen Kreativen, wie dem Künstler Hans Theo Baumann oder dem italienischen Architekten Mattheo Thun. Mitte der 90er Jahre setzte man mit Dieter Siegers ambitioniertem Service Cult abermals auf Farbverzicht und formale Stringenz. Auch in aktuellen Entwürfen, wie dem kombinierbaren Service Profi von Hausdesignerin Heike Philipp Prechtl, steckt der duale Geist von Strenge und Vielseitigkeit. Noch konzentrierter erscheint das Service Form 2006. Peter Schmidt, bekannt für seine geradlinige gestalterische Haltung, hat hier Kreis und Viereck zum Prinzip erkoren.


