Sitzbanksystem Take, Hersteller Brunner

Wolfgang C.R. Mezger

Möbel- und Industriedesigner, Göppingen / Baden - Württemberg

 

„Materialien, die richtig eingesetzt werden, sind schön“, lautet die Liebeserklärung an das physische Substrat seiner Arbeit. Wolfgang C. R. Mezger hat Sinn für das Grundlegende, aber auch für das edle Finish. Drei Viertel seiner Kunden kommen aus der Büromöbelbranche, eine anspruchsvolle Klientel, die das Beste will, aber mit gespitztem Bleistift rechnet. Mezger gilt da als der Mann für das Optimum, einer, der sich in technischen Grenzbereichen wohlfühlt und ästhetisch auf Langlebigkeit setzt. Für Brunner hat er den „Architektenstuhl“ Milano entworfen, der einen klaren Aufbau mit ungewöhnlicher Stabilität verbindet. Der noch erfolgreichere Milanolight hat eine Schichtholzbiegung mit rekordverdächtigem Radius. Das federleichte Folgemodell Fina besitzt eine extrem dünne Schale und schöpft optische Eleganz wiederum aus technischer Raffinesse. Es gibt kaum einen Entwurf ohne ein ausgeklügeltes, wenn auch meist unauffälliges Detail. Die extrem robuste, nach dem Baukastenprinzip konzipierte Bank Take (für Brunner) hat als Kernstück eine Traverse, deren Herstellung zwar ungewöhnlich aufwändig war, aber das System extrem flexibel machte. Für den amerikanischen Hersteller Davis entstanden die Holzschalenstühle Lipse (in Lizenz bei Walter Knoll) und Circus, dessen Armteile raffiniert integriert sind. Der Weg zu origineller Form und Konstruktion erfordert Anschaulichkeit. Typischerweise führt Mezgers Arbeit deshalb über ein kleines, maßstäbliches Modell, um dann bald zur Originalgröße überzugehen. Der Sohn eines Modellbau-Geschäftsinhabers lernte Schriftsetzer und studierte Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, eine Zeit, die ihn prägte. Danach folgten Jahre als freier Mitarbeiter bei Hans „Nick“ Roericht, verschiedene Lehraufträge und in den frühen 80er Jahren der anfangs harte Weg in die Selbstständigkeit, die er der akademischen Karriere vorzog. Längst ist er in der obersten Etage angekommen, gilt auch als Spezialist für die Möblierung des Chefzimmers. Sein Programm Focus (1988 für Renz) überraschte durch konsequent modularen Aufbau. Icon (2000 für Walter Knoll) ist ein Bürosystem der Extraklasse mit minimalistischer Attitüde und maximaler Beinfreiheit. Ein wichtiges Detail stellt die tragende Schiene dar, die auch die Stromkabel aufnimmt, aber „unsichtbar“ bleibt, somit also nicht mehr stört, wenn Kabel längst der Vergangenheit angehören. Ein Designer muss das Morgen mitdenken, weiß Mezger, denn „die Technik altert heute schneller als die Möbel“.