Teekanne, Entwurf Wilhelm Wagenfeld 1932

Wilhelm Wagenfeld

Produktdesigner, geb. 1900, gest. 1990

 

Er war einer der Ersten seiner Zunft. Berühmt geworden ist Wilhelm Wagenfeld vorallem durch jene Leuchte mit Glasfuß und weißem Schirm aus Opalglas, die er Mitte der 20er Jahre mit Karl J. Jucker am Bauhaus entworfen hat. Die kleine, zierliche Tischleuchte wirkt so einfach wie eine Straßenlaterne, ist ein Symbol für den frühen, in Deutschland entwickelten Minimalismus und mittlerweile ein Synonym für Bauhaus-Klassiker. Ein Designprodukt schlechthin. Wenn Wagenfeld als beste Eigenschaft der Dinge „das Anspruchslose“ nannte, meinte er damit brauchbare, preiswerte und zugleich ansprechende Alltagsgegenstände. Der gelernte Silberschmied hat eine Vielzahl solcher anspruchsvoll-anspruchslosen Gebrauchswaren aus Glas, Metall und auch Kunststoff entworfen, die sich durchweg durch ihre hohe Gestaltungsqualität auszeichnen, wie die geknickten Tintenfässer (für Pelikan) oder die Bestecke 83 (für Pott) und Form 3600 (für WMF). Bereits Anfang der 20er Jahre begann seine Zeit als Bauhaus-Schüler unter Lazlo Moholy-Nagy in der Metallwerkstatt, wo er mit Marianne Brandt zusammenarbeitete und deren Leiter er später nach dem Umzug des Bauhauses wurde. Während viele Bauhäusler Deutschland nach 1933 verlassen mussten, konnte Wagenfeld seine Arbeit fortsetzen, unterrichtete unter anderem an der Kunsthochschule in Berlin. Für Jenaer Glas experimentierte er mit dem bis dahin als Billigmaterial verschrienen Pressglas. Die feuerfesten Deckelschüsseln, die er Ende der 30er Jahre entwarf wurden ebenso zu Küchenikonen wie das stapelbare Vorratsgeschirr Kubus. Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte Wagenfeld an die früheren Erfolge an und arbeitete nun auch für Firmen wie Rosenthal und Braun. Für den Phonogerätehersteller entwarf er Mitte der 50er Jahre einen Plattenspieler, der in der berühmten Kompaktanlage SK 4 eingebaut war und auch zu seinem eigenen, tragbaren Radio-Plattenspieler Combi gehörte, dessen Front er mit schrägen Linien und weichen Kanten versah. Dieses Gerät wirkt noch heute überraschend modern. Einen seiner größten Erfolge hatte der Pragmatiker auf deutschen Esstischen: mit einer Butterdose sowie mit den taillierten Pfeffer- und Salzstreuern (für WMF) namens Max und Moritz.